Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Eine Auseinandersetzung
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 254 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Im deutschen Reich nicht bloß jüdisch und will nicht bloß jüdisch sein; sondern ich bin deutsch und jüdisch und will deutsch und jüdisch sein. Daß Herrn Klötzels Standpunkt Gott sei Dank nicht der Standpunkt aller Zionisten ist, das kann man aus einem Artikel „Eine Unterredung mit Herrn Hermann Struck" sehen, der in dem „Jüdischen Echo" vom 23. Mai 1919 veröffentlicht ist. Herr Struck führt folgendes aus: „Ich Möchte im übrigen von vornherein betonen, daß Sbxäe deutsche Regierung sich zur Berufung eibes Mischen Sachverständigen uM zu? aktiven Teilnahme an den Besprechungen des inLern-cttionalen jüdischen Problems, trotzdem für die 600 000 deutschen Juden eine eigentliche nati'onabe Frage nicht wie in den Ländern jüdischer Massensiödlungen existiert, nicht nur deshalb entschlossen hat, weil die maßgebenden englW^ameri'öanischen Kreise ,großen Wert aus die Lösung der jüdischen Frage in einem Sinne legen, der den in der jüdischen Kongreßbemegung der verschiedenen Länder m den letzten Kriegssahren einheitlich zum Ausdruck gekommenen Programmpunkten der jüdischen Massen entspricht. Vielmehr herrscht fti der Reichsregierung die Ueberzeugung vor, daß das neue Deutschland dort nicht fehlen darf., wo durch Zusammenwirken der Mächte zum -ersten Male der Versuch gemacht wird, das tragische Geschick eines alten, von unendlichen Leiden heimgssuchten Kulturvolkes so zu wenden, wie es der historischen Gerechtigkeit, den elementarsten Lebensbedürfnissen dieses Volkes und nicht zuletzt, auch den Interessen der Länder entspricht, in denen Juden in «größeren Mengen wohnen." Mehr als Herr Struck habe ich auch nicht gesagt und' gedacht. Wird Herr Klötzel auch Herrn Struck zurufen: „Hände weg von Palästina?" Wenn Herr Klötzel behauptet, mit mir eine trübe Erfahrung gemacht zu haben, nun, ich kann ihm dasselbe Wort wohl mit mehr Recht wiedergeben. Amscharr. Zu beiden Seiten des Hauptpiortals der Berliner Universität hing kürzlich je ein Plakat. Auf dem einen wurden Freiwillige ausgefordert, sich zu einem Wehrverband zu melden; Offiziere, Mannschaften und Techniker wurden gesucht. Man kennt derlei Plakate. Sie rufen seit den Spartakuswirren nach Freiwilligen von allen Anschlagsäulen, Wänden, Ecken, Denkmälern, Bauzäunen und Schaufensterscheiben. Dieses Plakat unterschied sich jedoch von den anderen. Bon der Herstellung gesetzmäßiger Ordnung im Innern, von dem Schutz gegen Uebergriffe und Einfälle feindlicher Truppen im Osten war nicht die Rede. Es mutete an wie ein Plakatruf aus Vornovemberzeit. Die Freiwilligen, um die man warb, werden nicht auf ihre Gesundheit, nicht aus ihre sittliche Zuverlässigkeit, nicht auf ihre