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Im deutschen Reich · 1919-06-01 · Heft 6 (Juni 1919) · p. 243

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 6 (Juni 1919)
Article
Hauptversammlung des Centralvereins
Date
1919-06-01
Page
243 (sequence 3)
Language
German
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Hauptversammlung des Eentralvereins 243 Rabbiner Br. Goldmann-Leipzig: Man kann nicht zwei Vaterländer haben. Nationale und staatsbürgerliche Gesinnung müssen zusammenfaüen. Eine reinliche Scheidung sei notwendig, auch wenn sie einigen Schaden bringen sollte. -Kompromisse mit den Zionisten führen zu Gefahren. (Lebhafter Beifall.) Justizrat Dr. Cohn-Dessau. Die Zionisten wollen uns dem deutschen Vaterlands und der Kultur errtfremden. Man kann nicht gleichzeitig deutschnational und jüdischnational sein. Das geben auch zionistische Führer zu. Eine antisemitische Hetze stärkerer Art sei zu befürchten; u. a auch deshalb, weil spartakistische Führer Juden seien Anstatt daß wir jetzt Zurückhaltung üben, richten die Zionisten ein Fanal auf: Ihr deutschen Juden sollt Nationaljüdisch empfinden! Wir müssen einen Trennungsstrich ziehen, so schmerzlich es auch sein mag. (Lebhafter Beifall.) Rabbiner Br. Lange-Essen wendet sich sehr scharf gegen den Zionismus» Zionisten und Centralvereinler seien unvereinbar. Wer das jüdischnationale Bekenntnis als Primat fordere, sei eine Gefahr. Uns deutschen Juden seien deutsche Kultur und deutsches Wesen eine innerste Angelegenheit. (Stürmischer Beifall.) Rabbiner Br. Jacob-Dortmund hält gleichfalls ein Zusammengehen mit dem Zionismus nicht für möglich. Die „Times" habe jüngst geschrieben: Im Zionistenstaate wird der Jude ein Jude ohne Bindestrich sein; aber der Jude in England wird seine Staatsbürgerrechte nur genießen als englischer Staatsbürger jüdischen Glaubens. Justizrat Sonnenfeld-Berlü/ glaubt ebenfalls nicht an eine Synthese zwischen Zionismus und Centralverein. Prof Dr. Lewin sei kein richtiger Zionist; jedoch in gemeinsamem Streben könnten wir mit den Zionisten eine Strecke Weges Zusammengehen auf Grund einer Arbeitsgemeinschaft für bestimmte Fragen. Justizrat Auerbach-Frankfurt a. M. ist Gegner des Kongresses der auf jeden Fall eine Folie für den Zionismus werden würde. Justizrat Brodnitz-Beriin tritt für den Kongreß ein, der, wie er hofft, eine glänzende Protektion der Ideen des Centralvereins werden würde. Vom Zionismus trenne uns, wie schon Geh. Rat Fuchs gesagt habe, ein Abgrund. Der Vorsitzende Geh Rat Fuchs erstattet Bericht über die letzten Verhandlungen mit den Zionisten, dre zu einer vorläufigen Tagesordnung für den Kongreß geführt haben: Gesamtvertretung der deutschen Juden, Demokratisierung der jüdischen Gemeinden,Folgen derTrennung vonKirche und Staat, Mitarbeit nichtzionistischer Juden an dem Siedlungsproblem. Or Mainzer-Frankfurt a. M. spricht für den Kongreß, auf dem eine Entscheidung in unserm Sinne herbeigeführt werden müsse. — Dr. Geiger-Frankfurt a. M. bittet dagegen, den Kongreß abzulehnen Dr Paul Nathan-Berlin fürchtet, daß Debatten auf dem Kongreß Stimmungen auslösen könnten, die uns schädlich werden dürsten. Er sei nur dann für den Kongreß, wenn auf der Tagung unter fester Leitung ein festes Programm durchgeführt werde. Ferner wandte er sich gegen die Forderung des neuen Programms auf nationale Autonomie im Osten. Geh. Rat Fuchs stellte fest, daß die Autonomie im Osten nur dann unterstützt werden solle, wenn die Mehrheit der dortigen Juden sie verlange. Prof. Dr. Falkenheim-Königsberg tritt für den Kongreß schon der Jugend wegen ein, die ihn verlange. Auch die Erweiterung des Programms sei nötig.

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