Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Hauptversammlung des Centralvereins
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
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Jul deutschen Reich Plätzen erhoben und stimmte dem Gelöbnis mit lebhaftem Beifall zu. Der Vorsitzende streifte dann die ständig wachsende antisemitische Hetze, und verlas einige bezeichnende Proben. Eine starke Negierung sei notwendig, sonst könnte es auch bei uns. noch zu Pogromen kommen. Syndikus Dt. Holländer berichtete über das Thema „Unsere Lage und unsere Arbeit"- Er zählte die stattliche Reihe von alten und neuen antisemitischen Vereinigungen auf und folgerte daraus die Notwendigkeit umfassender Organisation der Juden. Die Bekämpfung des Antisemitismus sei ein Dienst an der Wahrheit. Auch von verantwortlichen Stellen gingen Judenbeschimpfungen aus. Der Redner schilderte den Fall des Generals von Wrisberg und verlas die Antwort Noskes auf die Beschwerde des Centralvereins. Der Reichswehrminister habe kein Wort des Bedauerns für die Veröffentlichung Wrisbergs im „Militärwochenblatt", die den Geist des Mittelalters atme, gefunden. An der Spitze der Regierung stehen andere Männer; aber die Räte sind noch judenfeindlicher geworden. Der Vorsitzende der deutsch-nationalen Volksvartei, der ehemalige Minister Hergt, habe von den Juden verlangt, daß sie durch ihr Verhalten und durch von ihm zu bringende Opfer (Heiterkeit) erst zeigen müßten, daß sie würdig seien, zur deutschnationalen Volkspartei zu gehören. Unser Kampf um die Gleichberechtigung und Gleichachtung sei nicht weniger ein Kampf um das Deutschtum, als ein Kampf um das Judentum. Er ist im höchsten Maße positive Arbeit und die notwendige Grundlage für. jede weitere Wirksamkeit. Wir wollen uns weder von den Antisemiten noch von den Nationaljuden nachsagen lassen, daß wir Fremde in Deutschland seien. Wir sind mit ganzer Seele im Deutschtum verankert. Mit der eindringlichen Mahnung, in den Gemeinden dre Ortsgruppen bis zum letzten Mann und zur letzten Frau zu organisieren, schloß der Redner seine Ausführungen, die einmütig so starken Beifall fanden, daß beschlossen wurde, von einer Debatte abzusehen. Dt. Strauß-Frankfurt a. M. und Rechtsanwalt Dr. John Wertheim-Berlin referierten über die jüdische Kongreßfrage. Beide Referenten traten für einen Kongreß der deutschen Juden ein. Der erste Redner wandte sich gegen den vieldeutigen Zionistenbegriff des jüdischen Volkes. An der Arbeit für Palästina als ein Siedlungsgemeinwesen können und sollen wir uns beteiligen. Dr. Wertheim beschäftigte sich vorwiegend mit dem Wahlrecht zum Kongreß, zu dem nur deutsche Staatsbürger zugelaffen werden sollten. Er glaube nicht, daß die Zionisten an dieser Frage den allgemeinen Kongreß scheitern lassen werden, da ihnen daran liege, ihre Forderungen vor dem allgemeinen Forum der deutschen Juden zu vertreten. Die Einberufung des Kongresses müßte später erfolgen, gegenwärtig ständen die schweren Sorgen Deutschlands im Vordergründe. Geh. Rat Fuchs referierte im Anschluß an vorgeschlagene Satzungserweiterungen ausführlich über die Verhandlungen im Auswärtigen Amt zusammen mit den Zionisten und Gesetzestreuen über die Fragen ausländischer Juden und die Palästinafrage. Der Korreferent Justizrat Josephtal bat um Ablehnung der betreffenden neuen Satzungspunkts, Prof. Lew in bedauert, daß die Versammlung anscheinend einen antizionistischen Standpunkt einnehme. Das würde die zionistischen Mitglieder zum Austritt zwingen. Ein Bekenntnis zum jüdischen Volke könne staatsbürgerlich keinem deutschen Juden schaden. Der Redner bringt eine Resolution ein, wonach die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke keine Beeinträchtigung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung zur Folge haben dürfe. Or. Cohen-Köln spricht für Einigung.