Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-05-01
- Page
- 212 (sequence 5)
- Language
- German
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212 njilt Otlu|Cg€lt utettg redigiert toerb'ett,. obwohl wir in ihr ein überaus reiches jüdisches Schrifttum besitzen, welches jüdische. Geschichte, Religions- Philosophie,, soziale Fragen, Belletristik u. a. umfaßt, obgleich unsere^ Rabbiner und Prediger von der Kanzel herab in deutscher Sprache uns. das Wort'Gottes verkünden. Welche ist nun unsere.Sprache? Darüber herrscht unter den Zionisten selber heftiger Streit, Die einen behaupten, unsere Sprache.sei das Heb rä rfche und wir müßten diese Sprache der Bibel, der Gebete und,des älteren Schrifttums zu unserer Umgangssprache im Alltags-. lebLumachen, damit, wir uns von unseren christlichen Mitbürgern durch eine unubersteigbare Scheidewand absondern; die - anderen dagegen behaupten, unsere Sprache sei das.Jü di s ch e- (oder Jiddische), nämlich der Jargon, jener mittelhochdeutsche, stark.mrt entstellten hebräischen Worten durchsetzte Dialekt, den unsere Vorfahren bis zur Zeit Mendelssohns sprachen, und der jetzt noch in Osteuropa im Meunde der Massen unserer Glaubensgenossen fortlebt, stark vermengt mit polnischen, ukrainischen, russischen und anderen slawischen Worten und Formen, und auch, dort im Osten von Provinz zu Provinz sich ändert. Die Zionisten zerfallen in Hebraist e it. und I i d d i - schifte», die sich untereinander ebenso heftig bekämpfen, wie etwa Deutsche und Tschechen oder. Polen und Ukrainer.' Sie verketzern, sich gegenseitig, und jede Partei spricht der anderen das Recht ab, sich zur „jüdischen Nation" zu zählen und in deren Namen das Wort zu führen. Die Hebraisten erachten es, undi nicht mit, Unrecht/ für eine Herabsetzung des Judentums, daß man ihm als „Nationalsprach'e" einen unklaren mittelhochdentschen Dialekt aufbindet, der erst vor etwa 6 oder 7 Jahrhunderten entstanden ist, während das Judentum doch feit mehr als drei Jahrtausenden in die Geschichte eittgetreteu ist. Die Jiddischisten dagegen verurteilen, es als einen „Verrat am jüdischen Volke", daß man die von den großen Massen gesprvcheneS Pr ach e verwirft oder gering einschätzt, während man die hebräische „Gelehrtensprache", die nur von wenigen verstanden wird, und zu deren Erlernung viel Zeit und.Mühe gehört, auf den Schild hebt. Wenn man. Rechte fordert, so dürfe man sie allein für die Volkssprache fordern, und das sei das „Jiddische", die wahre" Nationalsprache der Juden. Die heftigsten Vorkämpfer des '„Jiddischen" und unerbittlichsten Gegner des Hebräischen find Lie'-„Paale-Zi onisten",' numerisch bie zahlreichste und zugleich die lauteste Gruppe im Zlonistenkager. Das Organ'der Poale-Zionisten, der weitverbrertetete Wiener „Jüdische Arbeiter",veröffentlicht in der Nr. 27 des 15. Jahrgänges einen Leitartikel unter der Ueberschrift „Wir warnen!", das ist eine energische Drohung an die Adresse der Hebräisien, der wir einige