Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Die "Fixationsbeweglichkeit" eines jüdischen Antisemiten
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 178 (sequence 3)
- Language
- German
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178 Im deutschen Reich wiederholt hatte. An diesem Zweiten, schlecht besuchten, Abend entpuppte sich Herr Trebitsch vollends als ein kleiner Gernegroß, beinahe als ein zweiter Dinier Er ärgert sich, daß sein Vortrag in der Presse nicht genügend berücksichtigt worden sei und besitzt anscheinend nicht die Erkenntnis, daß sich gegenwärtig in Deutschland, in ganz Europa viel wichtigere Dinge abspielen, als seine fixen Fixations-Ideen, und daß die Presse viel dringendere Angelegenheiten aus Raummangel nicht besprechen kann. Nach antisemitischem Muster deutete er (nach dem Bericht, der uns über die zweite Veranstaltung zuging) darauf hin, daß die Presse gewisse Themen, ans denen Wahrheit spricht, unterdrücke, und daß es „eine große Macht", die Juden gebe, die das Zustandekommen solcher Vorträge verhindere. Er hielt es für nötig, die Zuhörer von seiner Laufbahn zu unterrichten und ihnen mitzuteilsn, daß er ein Drama geschrieben habe, das der Presse zugegangen, aber nicht besprochen worden sei! (Das geschieht sehr vielen!) Er habe versucht, das Stück bei Reinhardt am Deutschen Theater anzubringen, aber ohne Erfolg. (Das geschieh! sehr vielen?) „Das ist Judenbetriebruft Herr Trebitsch; er, Trebitsch, sei für immer tot in der Judenpresse. Die „Deutsche Tageszeitung" hatte zu seinem Vortrag geschrieben: „Seine (Trebitschs) Ansicht, daß er Deutscher ist, in Ehren, aber das müsse erst bewiesen werden", worauf Trebttsch zürnend erklärte, wer es noch einmal wage, ihn als Juden zu bezeichnen, der habe zu gewärtigen, von ihm so behandelt zu werden, wie jemand, der ihn grob beleidigt habe. Und Herr Trebüsch bekam es fertig, die Annahme auszusprechen, daß auch hinter diesem Artikel der „Deutschen Tageszeitung" die Juden steckten? Man sieht: ein armer, kranker Mann. Bezeichnend für den Größenwahn dieses Herrn, der uns bis dahin gänzlich unbekannt war, ist die Bemerkung: Durch den Umstand, daß sein Vortrag, wenn auch von einer nur kleinen Zahl von Zuhörern, zustande kommen konnte, sei das Judentum in seiner Macht gebrochen. Und ferner: Er gebe zu, ein reicher Mann zu sein; er glaube, es werde den Juden schlecht gelingen, ihm selber beizukommen, sie worden sich aber an seinem Bruder rächen. — Herr Trebitsch erstrebt anscheinend die Rolle eines Märtyrers, die die „jüdische" ^Presse, durch Angriffe ihm verschaffen soll. Trotz der Gefahr, Herrn Trebitsch hierbei behilflich zu sein und von ihm in öffentlichen Vorträgen jüdischer Rachsucht bezichtigt zu werden, haben wir diesen kleinen Aufsatz veröffentlicht, weil das Porträt des nichtjüdrschen Juden Arthur Trebitsch im Raritätenkabinett abnormer Antisemiten nicht fehlen darf. Zur jüdrfchsN KsRgreßfrsgs. In Neukölln hielt die im vorigen Jahr gegründete Ortsgruppe des Centralveroins am 18. Februar eine ansehnlich besuchte Mitglieder« Versammlung unter der Leitung des Herrn Or. Gotheiner ab. Rechtsanwalt Dr. Wertheim-Berlin sprach über die jüdische Kongreßfrage. Er führte u. a. aus: Der jüdische Kongreß wird von zionistischer Seite als notwendig erachtet im Hinblick aus die Friedenskonferenz sowie auf die angeblich in allen Ländern stattfindenden jüdischen Kongresse. In der Aeußerung des englischen Ministers Balfour erblicken die Zionisten die Zusage baldiger Verwirklichung der nanonai-jüdischen Hoffnungen. Diese Zusage aber sei recht illusorisch, denn gerade Balfours Aeußerung betont, „daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte". Wie man aber einen jüdischen Staat in Palästina schaffen will, ohne die Rechte der dortigen Völkerschaften zu beeinträchtigen, sei nicht erfindlich, da Palästina vor-