Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Die "Fixationsbeweglichkeit" eines jüdischen Antisemiten
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 177 (sequence 2)
- Language
- German
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177 Die „FixationsbewLglichkeiL" eines jüdischen Antisemiten zurechtgelegt, dis den sehr alten Gegensatz Zwischen schaffenden und konsumierenden beziehungsweise ausnutzenden Menschen in die Terminologie: Fixation und Fixationsbeweglichkeit umsetzt, wodurch die Sache ein originales Aussehen erhält. Noch originaler. Vielmehr origineller ist die Nutzanwendung dieser Fixationstheorie auf Germanen und Juden. Die Germanen sind die fixierenden, die schaffenden, bk primräen Geister, die Juden die Fixationsöeweglicheu, die gut Zählenden, die Erraffenden. Nach dem Bericht der „Täglichen Rundschau", die aus begreiflichen Gründen dem Herrn Trebitsch fast eine Spalte ihrer Zeitung widmet, sagte der Redner u. a.: „Verjudet, das ist entleöendigr. Die größte Sünde des Geistes der Fixationsbeweglichkeit ist, daß er das nimmt, was der anders schafft." Es" sei begreiflich, daß der Jude zur Revolution neigt, wahrend der schaffende' Geist Liebe zur ruhigen Entwicklung hat. Tr. vergleicht den Verfall des RömertumZ mit dem Zusammenbruch des Deutschtums, das notwendigerweise durch das Eindringen der Juden zugrunde gehen müsse. Adele Kaufmann hat sich (in der „Großen Glocke") der Mühe unterzogen, Herrn Trebitsch ernsthaft zu widerlegen. Wir entnehmen ihren Ausführungen: „Die Geschichte ist nicht sein Gebiet. Sonst würde er den für seine Betrachtungen grundlegenden Vergleich nicht gemacht haben, daß Deutschland durch die Juden untergehen muß, wie einst Rom durch dis orientalischen Sklaven! Diese orientalischen Völker waren Barbaren, die hemmend auf Kultur und Sittlichkeit wirkten — wer wagt das von uns Juden zu behaupten? Außerdem aber waren jene „Orientalen" zum großen Teil 'Germanen. Und der dritte Fehler in diesem einen Gedanken ist. daß das römische Weltreich nur an dieser Einwirkung zugrunde geaangen sein soll. Wer nur ein wenig die Geschichte kennt, der weiß, wre viele verschiedene Faktoren bei dem Verfalle Roms mitgewirkt haben. — Wie bei diesem unglücklichen Vergleich, so geht Trebitsch bei allen grundlegenden Gedanken von falschen Voraussetzungen aus und kommt infolgedessen zu ebenso falschen Resultaten. Der Hauptfehler in seinem Gedankengang ist die geradezu naive Einseitigkeit. Er wertet die Völker einzig und allein "nach der AW. wie sich der Denkart im Gehirn des Individuums seiner (falsch^ Theorie nach vollzieht, nicht aber nach der sittlichen Kraft ihres Denkens. Weil es ein Jude ist, der hier zum Triumph für alle deutschnational-antisemitischen Hetzer gegen die Juden spricht, kann nur die Rechtfertigung eines Christen unsere Gegner überzeugen. Darum lassen wir den bekannten Psychologen Prof, Friedr. Wilhelm Förster für uns sprechen, der in einem feiner Werke sagt: „Gewisse moderne Schriftsteller haben sich bemüht, die arische Rasse als Quelle aller höheren Kultur und allen semitischen Einfluß als Verfälschung und Vorbereitung zum Niedergang hinzustellen — gerade die arische Rasse aber mit ihrer gewiß reicher intellektuellen und künstlerischen Begabung bedarf durchaus der gewaltigen moralischen Energie der jüdischen Rasse, ihrer Leidenschaft für die Gerechtigkeit, ihrer außerordentlichen geistigen Konzentrationskraft. Gerade, der Untergang der antiken Welt in griechischer Schöngeisterei und Sophistik "und in römischer Machtanbetüng und das Versinken des indischen Altertums in bloße weltabgewandte Spekulation zeigt am besten, wie unentbehrlich hier der jüdische Genius war, um die Einseitigkeiten und Gefahren der arischen Begabung auszugleichen. Was wären die Nationen des Westens ohne jenes mächtige semitische, Kulturelement, das durch die Vildungsmittel der religiösen Erziehung jahrhundertelang auf ihre Psyche gewirkt hat!" Wir würden auf die krausen Ausführungen des Herrn Trebitsch nicht zurückgekommen sein, wenn er nicht am 20. März feinen Vortrag