Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 171 (sequence 7)
- Language
- German
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171 Dr. Sinter auf Len Spuren Rohlings knapphsit und der Steigerung aller Preise im Kriege die Regierung immer wieder angespornt, die Höchstpreise zu erhöhen, weil die Landwirte — aus dem den Ariern eigenen Idealismus heraus — einen metallischen Anreiz zur vaterländischen Produktion brauchen. Sollte Herr Fritsch dieses schlagende Beispiel arischer Geldbeutelpolitik nicht als vollwertig anerkennen, obgleich die Bäudler nicht einmal unter sog. „alljüdischem" Einfluß stehen, so wird er vielleicht einen anderen Zeugen anerkennen, nämlich sich selbst. In derselben Februarnummer des „Hammer" schreibt er folgenden Satz nieder: „Wenn nicht der eigene Vorteil und die Nahrungssorge den Antrieb bildeten, so würden die meisten'Menschen von heute jeder Arbeit aus dem Wege gehen. Würde für jeden in gleicher Weise gesorgt, so würde der Ansporn in Wegfall kommen, und bald eine Erlahmung aller Kräfte eintreten." Wir polemisieren nicht gegen diese Anschauung, die von sehr vielen geteilt wird; gehören aber zu den meisten Menschen nicht die Arier? Fritsch spricht ja in seinem Artikel über deutsche Verhältnisse, und er gibt in diesem Satz zu, daß der Materialismus, der Antrieb des eigenen Vorteils für die meisten Menschen nötig sei. Sein „Idealismus der arischen Rasse" wird also von ihm selber totgeschlagen. Und was sagt Herr Fritsch zu einem Inserat, in dem ein arischer „deutschbürtiger" Kaufmann, streng völkisch, gläubig, vom Lande, eine blonde, blauäugige, kerndeutsche Lebensgefährtin sucht und um Angabe auch der Mitgift bittet? Herrn Fritsch ist.dieses Inserat nicht unbekannt, denn es ist ebenfalls in derselben Nummer zu finden, in der er seine Behauptungen über die talmudischen Lehren und den arischen Idealismus veröffentlicht hat. Wie durfte er ein solches Inserat aufnehmen? Vielleicht sind wir als Semiten nicht imstande, den Begriff des arischen Idealismus so auszufasscn, wie ihn Herr Fritsch als Arier aussaßt, vielleicht hat er gerade aus diesem Idealismus heraus jenem Inserat ein bezahltes Plätzchen eingeräumt. Dr. DirrLer auf den Spuren Rohlings. (Eine Abfertigung.) Unter dieser Spitzmarte haben wir im Marzheft mitge-eilt, daß Dr. Artur Sinter, mit dem wir uns schon wiederholt beschäftigen mußten, in einer Rede zu Eisenach die jüdische Religion beschimpft hat, worauf Landesrabbiner Dr. Wiesen ihn in der „Eisenacher Zeitung" aufforderte, ihm die betreffenden Stellen im. Talmud ufiw. namhaft zu machen, auf die er seine Schmähungen und Verdächtigungen gründe. Br. Wiesen versuchte einem Ausweichen des Herrn Dr. Sinter dadurch vorzubeugen, daß er erklärte, er verlange selbstverständlich eine Rechtfertigung nicht auf Grund jener Quellen-