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Im deutschen Reich · 1919-03-01 · Heft 3 (März 1919) · p. 114

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 3 (März 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-03-01
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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114 Im deutschen Reich zollern, gegen Herz und Geschmack gehen. Es gibt sicherlich auch viele, die ehrlich die Monarchie zurücksehnen. Aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre haben wohl alle gelernt, daß, wenn es in Deutschland wieder ein Kaisertum geben sollte, es nur ein Volkskaisertum sein darf, desien Vertreter sich nach dem Spruch des alten Fritz als erste Diener des Staates fühlen und nicht in jenen mystischen Nebelregionen schweben, in denen sich Friedrich Wilhelm IV. bewegte, jener König, mit dem der letzte Preußenkönig Wilhelm II. einige Aehnlichkeit hat. Aber auch Kaiser Wilhelm hatte aus den Nöten des Krieges, seinen Begleit- und Folgeerscheinungen gelernt und war auf dem Wege zum Volkskaisertum gewesen. Der erste Diener des Staates, ein Volksherrscher, hat alle Teile der Bevölkerung, alle Berufsstände, alle Glaubensbekenntnisse mit gleicher Gerechtigkeit und Liebe zu betreuen. Prinz Heinrich denkt anders. Er spricht in seiner Antwort nicht weniger als viermal davon, daß Gesundung und Ordnung in Deutschland nur durch Wiedereinsetzung der Dynastien zurückkehren können. Ihm diese Anschauung zu verübeln, wird niemandem, auch keinem radikalen Sozialdemokraten einfallen. Prinz Heinrich ist der Bruder des ehemaligen Königs von Preußen und deutschen Kaisers, und ist von desien überirdischem Glanz so erfüllt gewesen, daß er einmal in aufsehenerregender Ansprache erklärte, er, der Prinz, werde niemals aufhören, das Evangelium der heiligen Mission Wilhelms II. in die Welt zu tragen. Beim Prinzen Heinrich spricht die Stimme des Blutes. Hier spricht die Stimme eines Mitgliedes des Hohenzollerngeschlechtes, spricht die Stimme eines Menschen, der durch die Revolution aus Machtfülle (wenn auch nur einer äußeren Machtfülle) in ein Nichts hinabgeschleudert worden ist. Aber es spricht hier auch die Stimme eines Mannes, der die Folgen seiner Worte anscheinend nicht zu übersehen vermag, ganz abgesehen von dem ungerechten, für einen reifen Mann beschämenden Urteil über die Juden. Der ehemalige Prinz schadet dem Zwecke, den er verfolgt, weit mehr, als er ihm zu nützen glaubte, ähnlich wie bei seinem damaligen Hymnus auf den Bruder, der wegen seiner unmotivierten Ueberschwenglichkeit im Ausland unerfreuliche Heiterkeit, verständnisloses Staunen weckte, und im Innern auch treue Monarchisten stutzig und bedenklich machte. Wenn ein Hohenzoller die Wiederkehr seines Geschlechts auf den Thron als Grundbedingung für die Gesundung und Erstarkung Preußens und Deutschlands hinstellt und zugleich verrät, daß er Rassen- und Glaubensunterschiede macht, so schlägt er selber jede Berechtigung seiner Forderung zu Boden. Schon im alten Regime, als das Königtum felsengleich und uner-

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