Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Zur Frage eines jüdischen Kongresses in Deutschland
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316891-2355350--29573-2355406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Frage eines jüdischen Kongresses in Deutschland .99 kongreß geschehen, dessen Vorboten die jüdischen Kongresse in den einzelnen Ländern sind, dessen Vorbote der jüdische Kongreß in Deutschland sein soll." Diese offizielle Erklärung, die mit früheren Artikeln '(vgl. Berger in Nr. 55, Nahum Goldmann in Nr. 56 der „Jüdischen Rundschau" von 1918) und mit der einhelligen Meinung des Zionistischen Delegiertentages übereinstimmt, läßt nur eine Deutung des Volksbegriffes zu, die als Volk im politischen Sinne. Wer sich auf der Kongreßeinladuna zu bewußter Zugehörigkeit znm jüdischen Volk bekennt, bekennt sich als jüdischnational, erkennt ein jüdisches Volk als territorial-sprachliche Einheit mit einheitlicher Volkspolitik an. Me Versuche, die nachträglich diesen scharfen Volksbegriss zu verwischen strebten, Versuche, die ganz augenscheinlich der Orthodoxie goldene Brücken bauen sollten, verschleiern die Wahrheit. Der politische Volksbegriss drückt auch allein die Bedeutung aus. die jeder unbefangene, jeder jüdische und nichtjüdische Laie mit dem sprachlichen Ausdruck „Volk" verbindet; die seinen theoretischen Unterschiede der jüdischen Parteidoktrin sind diesen Kreisen unbekannt geblieben. Dem Centralverein ist eine Beteiligung an dem Kongreß nicht möglich, der sich auf der Voraussetzung bewußter Zugehörigkeit zum jüdischen Volk aufbaut. Wir Mitglieder des Centralvereins erkennen den Begriff eines jüdischen Volkes nicht an und fühlen uns dem jüdischen Volk nicht zugehörig. Wir betrachten uns, wie schon wiederholt ausgesprochen wurde, als unlöslichen Bestandteil des deutschen Volkes. Die oft aufgezählten Gründe, die gegen den Begriff eines jüdischen Volkes objektiv sprechen, sollen hier nicht wiederholt werden; es genügt, aus den Aussatz Fuchs' „Glaube und Heimat" in Nr. 9, September 1917, unserer Zeitschrift zu verweisen. Hier ist auch ausgesührt, daß subjektiv den Centrrlvereinler vom Nationaljuden der Umstand trennt, daß dieser kein deutsches, sondern ein jüdisches Nationalgesühl in seiner : Brust trägt oder vielleicht nur tragen will. Nun wird den nichtzionistischen deutschen Juden in letzter - Zeit von gegnerischer Seite ein Doppeltes vorgehalten: Einmal -- wird behauptet, wir schlössen das deutsche Judentum von der jü-? dischen Gesamtheit aus, wenn wir uns dem jüdischen Volke fernhalten. Zweitens aber sei die Geschichte bereits über unsere Bedenken zur Tagesordnung übergegangen; denn die maßgebenden Machtfaktoren, insbesondere die Regierungen der Entente, hätten die Judenheit als jüdisches Volk anerkannt. Zum ersten Punkt ist zu bemerken: Es erscheint uns recht fraglich, ob das Gesamtjudentum die deutschen Juden wird entbehren wollen und können, selbst wenn sie sich nicht nationalisieren. Das Gesamtjudentum