Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Und sind doch selbst der Sünde bloß
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 80 (sequence 3)
- Language
- German
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80 Jrn deutscher? Rekch Beschütze? und Förderer der christlichsozLüLrn Partei und Presse steigt zum Himmel. Arme „Neich-Zpost"! In der Nummer vom 10. Januar veröffentlicht Or. Blochs Wochenschrift ferner eine Berichtigung des Präsidenten der österreichischen Hilfs-- und Auskunftsstelle für Kriegsgefangene, Grafen Spiegelfeld. Die „Reichspost" hatte am 1. Januar eine lange Geschichte über einen Oberleutnant Epstein veröffentlicht, und behauptet: Er sei stets bemüht gewesen, Lei den Aus taufchaktion-m dis Juden zrr bevorzugen, und sei, trotzdem ihm nrchegelegt wurde, die Uniform eines Reserveoffiziers äbzrrlsgen, weiter im Dienst verblieben. Er soll ferner nach Kriegsschluß rn die Schweiz gsfahren sein, um dort die Konjunktur in der TuchLrcmchs auZZunützenfiund überdies etwa 200 Kronen Tagesdiäten beziehen. Graf Spiegelfeld stellt demgegenüber fest: Herr Epstein ist ösreirs im Sommer 1918 auf Befehl des Kriegs- Ministeriums zu Verhandlungen nach Bern delegiert worden. Dort hatte' er auch nach den Novemberriguiffrn in stetem Kontakt mit den Wiener Stellen für die Sache der Kriegsgefangenen erfolgreich weitergewirkt, und es verdient lein initiatives, umsichtiges Vorgehen, dem wichtige Ergebnisse Zu danken sind, volle Anerkennung. Die angebliche Bevorzugung der Juden bei AuZtauschEisnen ist frei erfunden, lieber den Austausch entschieden lediglich die feindlichen'Heeresverrvsltungen. An Diäten rechnete Herr Epstein, der dem Zwilstand angshört, lediglich dis Reifegedübren in dem für einen Subalternofstzier festgesetzten Ausmaß an. Die Angaben der „Reichsyost" seien „teils Erfindungen, teils G n L st e l l u n q e n der Wahrh ei i". Damit aber nicht genug? Ein rechtes Lntisemitenblatt begnügt sich nicht mit Entstellungen und Erfindungen, sondern weigert sich auch, selbst, wenn es unter der Flagge christlicher Frömmigkeit segelt, der Wahrheit seine Spalten zu öffnen. Der Berichtigung des Grafen Spiegelfeld hat die „Reichspost" LieAufnahme versagt! Eirr antisemitischer DrLckeVerger. Herr Hall-Halfen hat am 9. Januar im Berliuer BlAhner-Saal über dis Judsnfrags gesprochen. Er beton« wiederholt, daß er als Mensch und nicht als Antisemit spreche. Nach dieser nicht gerade neuartigen Verwahrung hielt er selbstverständlich eine durchaus antisemitische Rede. Herr Hall-Halfen hat kürzlich, wie wir bereits berichtet haben, in der „putschen Tageszeitung" im Verein mit dem Matrosen Strobel einen Artikel mit antisemitischer Tendenz veröffentlicht, der den Berliner Bollzugsrat veranlaß«, Herrn Strobel seiner Funktion als Mitglied des Bollzugsrejs sofort zü entheben. Herr Hall-Halfen gibt auch eine neue Zeitschrift „Die Geißel" heraus, in der er mit mancherlei Enthüllungen arbeitet. Die fast kuriose Art seiner Judenbekämpsung zeigt sich/um nur ein Beispiel herauszugreifen, in seiner Bemerkung in der Blüthner-Bersammlung: „In den Reichstag gehören Männer ohne Glaubens unterschied, aber keine Schwätzer, also keine Juden." Damit ist im Handumdrehen, mit der Geschwindigkeit eines Bellachini der GlauSensunterschied.