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Im deutschen Reich · 1919-02-01 · Heft 2 (Februar 1919) · p. 79

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 2 (Februar 1919)
Article
Und sind doch selbst der Sünde bloß
Date
1919-02-01
Page
79 (sequence 2)
Language
German
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Hub jtnfc doch selbst der Sünde bloß 70 Wiener ErZLischoss ist, ist die unseren Lesern unrühmlich bekannte „Reichspost". Eine Erwiderung von Dr. Bloch« Wochenschrift (27. Dezember) liefert mdvt nur Zur an+ifcmitif&en Heye in Oesterreich, sondern auch zu den Sünden der antisenntifchen Christlichsozialen einen beachtenswerten Beitrag, der nach beiden Seiten an Aehnliches bei uns erinnert. Darum sei die Erwiderung hier abgedruLt: Arme. „Rsichspost"! Rastlos wird das ganze öffentliche Leben durchslöbert, um einen Juden zu finden, den man beißen könnte. Aber siehe da! In Prag gibt es Unterschlagungen beim Noten Kreuz, also an den^Lebensmitteln armer kranker Soldaten, und die Schuldigen sind feudale Freunds der Christlich) ozialen. In Linz wird die Großwenage als Nest großer Schleichhändler aufgedeckt, und wieder sind die Christlichsozialen in den fatalen, rein arischen Skandal verwickelt. Im frommen Salzburg waltete als mächtiger christlichsozialer Politiker ein früherer Vertrauensmann des Erzherzogs Franz Ferdinand, und von seinen abscheulichen Verbrochen werden noch nach seinem Selbstmord immer, neu? aufgedeckt. An unzähligen Orten wird öffentliches Gut geplündert und beraubt, und nie liest man einen jüdischen Namen ober "iann auch nur Verdacht gegen einen Juden schöpfen. Was soll die arme „Neichspost" machen? Der Jude muß her, und wenn' er auch erfunden werden sollte. Das geschaht denn auch reichlich. Ein ganzes Regiment höchst geheimnisvoller Juden erscheint in den Spalten der „Reichspost" und begeht höchst geheimnisvolle Unraten. Bald heißt es aus Klosterneuburg, daß eine Baude mit einem jüdischen Anführer erschien und vergeblich versuchte, wertvolles ärarisches Gut auf einem Wagen wegzuführen. Dann wieder erscheinen Juden in einem Grazer Devot und versuchen, die Waren an sich zu reißen. Dam: plündert ein Jude in Horn. Niemals aber wird der ebenso freche wie geheimnisvolle Jude verhaftet oder auch nur mit N ü m e n ge n a n n t Das hat seinen einfachen Grund. Die „Reichspost" weiß," daß sic lügt; aber sie will es sich aus begreiflichen Gründen nicht beweisen lassen. Das größte Pech jedoch hat die „Reichspost" mit dem Staat samt für Heerwesen. Diesem Staatsamt ist sie spinnefeind wegen seiner Verüffeurlichungen gegen hohe Würdenträger und Offiziere, welche ihre christüchsoziale Gesinnung während des Weltkrieges durch viele militärische Befehle, Reden und Handlungen bewiesen hüben. Ihr Leiborgan hat eine eigene Rubrik zur Verteidigung der antisemitischen hohen Herren und Frauen eröffnet. Im Zusammenhang mit dieser Rubrik forderte die „Reichspost" das Staatsamt für Heerwesen auf, nicht nur gegen die hochgestellten Männer und Frauen loszuziehen, sondern auch eirrchUntersuchung über die s ch m u tz lg e n Kriegsgewinne anZustellen. So gedachte die „Reichspost", die Juden in den Vordergrund zu ziehen und seine arg kompromittierten hohen Hintermänner zu entlasten. Das StaatsamL für Heerwesen gehorchte der „Neicbspost" und untersuchte. Man nahm zuerst die gröbsten und stärksten Fälle vor und prüfte die Akten. Dann ging der Vorhang auf und die Vorstellung begann. Behaglich saß die „Reichspost" im Zuschauerraum und wartete vergnügt auf die kräftigen Stellen gegen die Juden, um zu applaudieren. "Aber was war denn das? Statt der Juden traten ganz andere Leute auf, lauter Abonnenten und Beschützer der „ReichspostR lauter hochgestellte Herrschaften mit christlichen Tugenden und Miüionengewinnen. Unbarmherzig hatten sie den Steuerträger ausgeplündert, hatten zu ihren riesigen Vermögen noch weiteres Geld ourch schreckliche Kriegsgeschafte, durch Pfründen und Unterstützungen an sich gerafft. Die Schmach der Gründer,

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