Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Die Synagoge in Kuttenplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 36 (sequence 2)
- Language
- German
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36 Im deutschen Reich ist wohl auch als Urheber des Entfernens des „polnischen" Almemor anzusehen. Die prächtigen Gitter (mit zum Teil figuralem Schmuck) sind vor dem „Altar" wieder verwendet worden. Die Annahme, daß Kutten-Kleinplan aus dem hebräischen Worte hervorgegangen sei, erscheint nicht unwahrscheinlich, ist indessen nicht mit Bestimmtheit anzunehmen (vgl. Kuttenberg in Böhmen). Wahrscheinlich ist Kuttenplan zuerst eine dem Gutshof angegliederte vornehmlich jüdische Siedelung gewesen. Auch Dürrmaul besitzt z. B. eine große Synagoge mit schönem Gemeindehaus, das nebst Wohnungen eine Schule, Tauchbad und Backofen (für Osterbrot) enthält — aber bis heute weist der Ort keine Kirche aus! Richtiggestellt sei endlich noch die Erzählung von der Ansiedelung in Kuttenplan. Ich entnahm aus der vorn dortigen christlichen Bezirkslehrerverein herausgegebenen Heimatkunde folgende urkundlich beglaubigte, recht interessante Erzählung: „Ehe Graf Franz von Collate die verwittibte Sinzendorferin heiratete, fragte er einst ihren Hausjuden, was die Gräfin für einen Humor an sich habe. Der Jude antwortete: „Ihre Exzellenz werden mich armen Juden nicht verraten, ich will die Wahrheit bekennen. Sie ist eine reiche Frau, eine gescheite Frau, eine schöne Frau, aber giftig wie eine Schlange." Nach der Hochzeit hatte Collate öfters Gelegenheit, „zu sehen und zu hören", wie sich die Gräfin mit ihren Untertanen ereiferte, und bei einem solchen Anlasse soll er gesagt haben: „Der Planer Jud' hat wohl recht gered't." Die hierdurch noch mehr gereizte Frau, die sich umsonst bemühte, von ihrem Mann den Namen des Juden zu erfahren, beschloß, sich an der ganzen Planer Judenschaft Zu rächen. Alle sollten das zu ihrer Herrschaft gehörige Territorium meiden, „dawider gar keine Vorbitte geholfen" Auf die Vorstellung der Planer Juden beim kaiserlichen Hofe kam an die Gräfin der Befehl: „Wo die Juden einmal auf einer Herrschaft sind, da sollen sie bleiben." Nun gebrauchte sie folgende arge List: Der „Regent" Hanisch von Greifenthal überredete die Juden, vor dem Zorn der Gutsherrin auf kurze Frist sich nach dem eine halbe Stunde entfernten Kuttenplan zu begeben und ihre Häuser in Plan zu versiegeln. Als dies geschehen, gab die Gräfin das bereits drei Tage lang in ihren Händen befindliche kaiserliche Dekret heraus, das nunmehr die Juden zwang, in K. zu bleiben. Die Wirkung zeigt sich bis heutigen Tages. In dem ungleich größeren Plan (es ist Schnellzugssiation) wohnen noch heute wenig Juden; ihre Synagoge steht in Kuttenplan. Der malerische Friedhof., zu dem kein öffentlicher Weg führt, liegt mitten in dem prächtigen, alten Herrschaftsgarten. Graf Berchem ließ die Mauer ruinenhaft ausbild'en, und das schwere Tor führt romantisch wie zu einem alten, verfallenen Schlosse. Ist somit die Gemeinde Kuttenplan historisch des Interesses wert, so hat ihre Synagoge die große Bedeutung, die bisher von den Kunstaelehrten angenommene Kluft synagogalen Bauwesens zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert überbrückt zu haben. Mehr AttskLaruNg.^) Eine Entgegnung. In der Märznummer dieser Zeitschrift erschien ein Aufsatz „Mehr Aufklärung", der wohl mehrere Leserinnen und Leser anregen wird, dazu Stellung zu nehmen. *) Infolge Raummangels mußten die beiden Zuschriften wiederholt zurückgestellt werden. Sie sind aber noch nicht veraltet. D. Red.