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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Die Synagoge in Kuttenplan
Date
1919-01-01
Page
35 (sequence 1)
Language
German
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Die Synagoge in KuLLenplan 35 Die Stzrragoge in KnLLenPlan. Eine Ergänzung. Von Professor Br.-ing. Alfred Grotte-Posen. Die im Oktoöerheft 1918 abgedruckte Geschichte des Synagogensofas von KuLLenplan dürste wegen der einzigartigen Toleranz eines böhmischen Feudalherrn der Mitte des 18. Jahrhunderts berechtigtes Interesse Ln jüdischen Kreisen erregt haben. Um so wertvoller erscheint mir die Richtigstellung einzelner Angaben, wobei es mir fernliegt, die poesievollen Darstellungen des Versagers ihres Zaubers zu entkleiden. In meiner Difsertationsschrift*) habe ich die Synagoge in K. einer eingehenden geschichtlichen und kunsthi-sto rischen Würdigung unterzogen. Genaue maßstäbliche Ausnahmen und Lichtbilder ergänzen die Forschung, deren Wert für die Geschichte des jüdischen Kultusbaues überhaupt nicht unterschätzt werden darf. Der Typus des Gotteshauses ist nämlich ein durchaus originaler und läßt den — offenbar gräflich-gutsherrlichen Architekten als einen Meister erscheinen, der das jüdische Kultprogramm ungleich besser erfaßt und baulich betont hat, als je ein Baumeister des 19. Jahrhunderts. Dies mag stark übertrieben erscheinen, ist aber voll zu vertreten. Nach dem 1768 neu angelegten Statutenbuche der Gemeinde gab es dort bereits 1645 eine Synagoge. Offenbar gewahrte der Architekt in dieser die religiös hohe Bedeutung des Almemor. Dies dürfte ihm nun bei seinem Neubau Veranlassung gewesen sein, eine Synagoge als Zentralbau aufzufassen mit dominierender Stellung des Mmemor, so zwar, daß er den Raum mit einer quadratischen Kuppel überwölbte, unter deren Spitze der Almemor steht. Das Hochstreöen des Raumes über diesem Kultzentrum ist nun architektonisch hoch beachtenswert und eine Lösung, die dem symbolischen Vertikalismus gotischer Kathedralen nahestsht. Vergleichen wir diese wohldurchdachte raumkünstlerische Lösung mit den vielfach geistlosen Synagogenbauten in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die eine üble Mischung aus katholischer Pfarr- und evangelischer Predigtkirche darsteüen und das Hauptgewicht aus den „Altar" legen, so wird man den " hohen Kunstwert der Synagoge in K. anerkennen müssen. Ueörigens findet sich dieser Typusmn der Marienüader Gegend sehr häufig. Erhalten sind außer Kuttenplan noch 6 ähnliche Synagogen,^ wenn auch zum Teil in etwas dekadenter, architektonischer Form; sehr "zu beachten wären die Gotteshäuser dieser Art in Königswart und Dürrmaul. Letztere Synagoge, von Marienbad eine knappe Stunde entfernt, ist vermutlich auch eine Schöpfung des Grafen Sigismund von Haimhausen, der 1756 für Kuttenplan die für damalige Verhältnisse unerhörte Bauerlaubnis gibt. Der Einbau der Estrade vor dem heiligen Schrein erfolgte 1851; um diese Zeit stiftete ein Nachkomme des genannten Gönners, Graf Cajetan von Berchem — das Geschlecht lebt heute noch in München —, den Patronats sitz und das Rabbiner-Stipendium. Zu dieser Berichtigung der Familiennamen der gräflichen Schloßherren kommt auch noch die, daß die Kuppel nicht mit maurischen Ornamenten geschmückt ist, sondern eine überaus reizvolle barocke Zier aufweist. Auch sind die Emporen nicht vergittert. Die böhmischen Juden jener Zeit wehrten sich energisch gegen diese, ihrer Meinung nach „polnischen" Bräuche. Uebrigens erzählt meine Familienchronik von dem gräflichen Gönner, daß er sich durch meinen Urgroßvater, Jakob Hermann Mayer, der um die Jahrhundertwende Vorsteher der Gemeinde war, aus dem Talmud übersetzen ließ. Ein Sohn des Jakob Hermann, der wie sein Vater den damals aufgekommenen Reformen eifrig Vorschub leistete, *) Synagogen typen vom 11. bis 19. Jahrhundert in Deutschland, Böhmen und Polen. Berlin 1915, Zirkelverlag.

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