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Im deutschen Reich · 1919-01-01 · Heft 1 (Januar 1919) · p. 22

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 1 (Januar 1919)
Article
Gefängnispfarrer und Rabbiner
Date
1919-01-01
Page
22 (sequence 5)
Language
German
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22 Fm deutschen Reich Daß der Pfarrer Schmidt gegenwärtig, d. i. seit 'dem 1. Oktober d. I., dem Datum des Bescheides, dem Amtsbereich des ProvinzialsHulkollegiums nicht mehr angehört, braucht unseres Erachtens der Verfolgung der Beschwerde nicht im Wege zu sein; denn es handelte sich um eine Verfehlung zu einer Zeit, als er noch zu diesem Amtsbereiche gehörte. Darüber aber konnte ihm nach unserem Dafürhalten auch noch nach seinem Ausscheiden eine Vorhaltung gemacht werden. Sollte aber diese unsere Auffassung unzutreffend sein, dann brauchte sie ihm nur statt am 1. Oktober am 30. September gemacht zu werden. Durch den Umstand, daß die Entscheidung des Kgl. Provinzialschulkollegiums gerade erst am 1. Oktober, demselben Tage, an dem der Pfarrer Schmidt aus eigenem Antriebe ausschied, gefallen ist, obgleich unsere Beschwerde bereits seit dem 25. Juni, also mehr als drei Monate, vorlag, ist für eine grobe Verunglimpfung eine Genugtuung versagt geblieben, die wir nicht als eine Gunst erbitten, sondern als unser gutes Recht als deutsche Staatsbürger beanspruchen. Daß das Kgl. Provinzialschulkollegiu-m es nicht billigt, wenn politische oder soziale Verhältnisse der Gegenwart von einem parteilichen Standpunkt aus zur Durchnahme und Besprechung gebracht w-erden, ist uns zu wissen zwar sehr schätzbar, aber wir würden es für wertvoller halten, wenn diele Ansicht, und zwar in unzweideutiger Weise, mit ausdrücklicher Beziehung auf antisemitische Verhetzungen denen gegenüber zum Ausdruck, gebracht würde, die es angeht. Denn wir müssen nachdrücklich dagegen Einspruch erheben, daß etwa der Antisemitismus irgendwie als eine achtbare und relativ berechtigte Parteistellung anerkannt wird. Alle anderen Parteien bekämpfen Ansichten oder Einrichtungen, die Antisemiten sind die einzige „Partei", die Personen, und zwar lediglich wegen ihrer Abstammung, verfolgt und beschimpft und obendrein noch die Anmaßung besitzt, sich als besonders patriotisch und deutsch auszugeben. Daher erscheint es uns als Pflicht, diese verwerfliche Denkweise überall, wo sie sich breitmacht, zu bekämpfen und vor allem die Schule und die Jugend vor diesem Schaden zu bewahren. Der Antisemitismus ist nicht etwa nur als parteilich oder unpatriotisch oder undeutsch, sondern schlechthin als u n s i t L l i> ch zu brandmarken. Gez. Di*. Jacob, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Dortmund." Der Briefwechsel, dessen Veröffentlichung aus leidigem Papiermangel erst jetzt erfolgen kann, spricht für sich selbst. Wir haben ihm höchstens noch den Wunsch anzufügen, daß in Preußen recht bald und dauernd der Geist beseitigt werde, der aus den Bemerkungen des „Religionslehrers", Gefüngnispsarrers Schmidt und aus dem ihn schützenden Bescheid des Provinzialschulkollegiums in Münster spricht, und daß immer Männer sich finden, die gleich würdig und energisch antisemitischen Angriffen entgegentreten. Einiges Wer die Spmrrslen m Serbien, Mazedonien, Bnlgarien. Bon Feldraöbiner Br. P a u l Lazarus (Essen). Vor etlichen Jahren befand sich der spanische Arzt und Senator Don Angel Pulido aus einer Erholungsreise aus der unteren Donau. Zu seiner großen Verwunderung sah er im Salon des Dampfers eine ganze Reisegesellschaft, Männer, Frauen und Kinder,

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