Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Die "Schuld" der Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau 11 In der Bibel, im ersten Buch Moses lesen wir, daß Gott das sündige, dem Untergang geweihte Sodom nicht verderben wollte, falls auch nur zehn Gerechte in ihm zu finden wären. Unsere Antisemiten wollen die Gesamtheit der jüdischen Deutschen verderben, wenn auch nur zehn Ungerechte unter ihnen leben. Welches Schicksal hätten wohl die christlichen Deutschen, würde man nach dieser niederträchtigen und bösartigen Maxime verfahren? Und welches Schicksal hätten gar erst die Antisemiten, bei denen die Gerechten in einer Mietdroschke bequem Platz haben! _ Jakob Schere!. Amschau. Wenn dieses Heft in die Hände der Leser gelangt, sind die Wahlen zur NMorrLlVerfsmMlrmg vom 19. Januar vorüber, die darüber entscheiden sollen, ob Deutschland ein-e sozialdemokratische Republik oder eine soziale und demokratische Republik sein wird; das heißt: ob wir eine einseitige Klassenrepublik unter der Herrschaft der Arbeiterparteien haben werden oder eine Republik des gesamten Volkes, eine Demokratie, die zugleich sozialistisch in umfangreichem Maße wirken soll. Eine Rückkehr Zur Monarchie ist jetzt ausgeschlossen. Ob für immer — diese Entscheidung überlassen wir den Tagessto-liLikern und Tagespropheten, die sich um die Erfahrungslehre, daß man niernals niemals sagen soll, nicht kümmern. Deutschlands endgültiges Geschick ruht noch in der Zeiten dunklem Schoß. Dieses endgültige Geschick braucht sich nicht binnen Jahresfrist zu erfüllen; es kann sich auch während einer Zeitspanne von fünf, von zehn Jahren auswirken. Die Weltgeschichte arbeitet allerdings oft ruckweise — das hat sie bei der Revolution vom 9. November bewiesen — aber ihre großen, dauerhaften Linien lausen über Jahre und Jahrzehnte, und der 9. November war nur die reife Frucht mehrerer vorangegangener Jahre mit ihrem Sonnenschein, ihrem Regen, * ihren Stürmen. Vorläufig ist die Monarchie abgetan. Die Wahlen zur Nationalversammlung standen nicht unter der Parole: Volkskönigtum oder Republik, sondern unter der Parole: Sozialistische oder demokratische Republik. Selbst die Konservativen haben ihre Fahne der Königstreue rasch eingerollt, und die „Kreuzzeitung" hat nach dem 9. November fast beschämend schnell von ihrer Stirn das „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" getilgt. All die Parteien, die man die reaktionären nannte, beeilten sich, ihre Volksfreundlichkeit durch neue Parteibenennungen zu betonen. Wie weit dies das rasche Ergebnis wirklichen Umlernens war, wie weit es aus Berechnung geschah, soll hier nicht untersucht werden; der Centralverein und sein Monatsorgan wollen parteipolitisch neutral sein. Von den bürgerlichen Parteien hat die „F o r t s ch r i t t l i ch e Volkspartei" schon lange vor der Revolution das Wort Volk in ihrem Namen getragen; und schon vor der Verschmelzung mit der Freisinnigen Vereinigung hat die „Freisinnige Volkspartei"