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Im deutschen Reich · 1918-12-01 · Heft 12 (Dezember 1918) · p. 450

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 12 (Dezember 1918)
Article
Unsere Propheten und der Völkerbund
Date
1918-12-01
Page
450 (sequence 2)
Language
German
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450 Im deutschen Reich unh alle Fäden in der Hmrd hält, um alles seinem ewigen Ziele zuzulenken, dem allgemeinen Frieden: „Ich mache Euch zu Webenden. Ich wies Euch an, Pfade zu treten mit des Friedens lieblich bekränzten Füßen, nun eint sich über Klüfte hin, so Mensch zu Mensch, ein BoK zu Bol?!'' Das ist ein moderner Widerhall des biblischen ProHhetismus. Dem: diese WurrderNnder der Religionsgeschichte, die Propheten, sahen nicht in dem Kampfe den Vater aller Dinge, ihnen war nicht der Krieg der nötige Lenz-essturm, der Morsches wegfegen muß, um Raum zu schaffen für neues Leben. Mitten in einer Zeit der Empörung und des Aufruhrs, etwa um 740, im Zchnstämmereich Samarien predigt Hosea Krieg dem Kriege und läßt seinen Gott fogeu: „Ich tilge Bogen und Schwert aus dem Lande", und wenige Jahre später kristallisiert Jesaja in Jerusalem diesen Hohen Idealismus um die Gestalt eines erwarteten HeiMönigs vorr der Kraft eines Davids, auf dem der Geist Gottes ruht und der, so ausgerüstet, die Zeit heröeiführt, „da der Wolf bei dem Lamme weilt, da die Völker ihre Waffen umschmieden zu Pflugscharen und den Krieg nicht lernen, da man nicht verwundet und verletzt auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll ist die Erde der Gotteserkermtnis, wie Wasser den Meeresgrund bedecket". Ganz in seinem Sinn predigt sein Jünger Micha die Abkehr von äußeren Macht- und Gewalts- Mitteln: keine rücksichtslose Anuexionsvolitil, die nur Sinnliches und Sichtbares gelten läßt, sondern V-erständiris für die geistigen Kräfte: Ich tilge deine Rosse und verderbe deine KriegÄlvagen und entferne deine Türme und schleife deine Burgen! Im Geiste liegt das Heil, nicht in der Faust! Das war Re prophetische Erbschaft, die Jeremia überkommen hatte. Der Geist aber ist -das Allgemein-Menschliche. Bon hier aus erkennt er den bedingten Wert des Nationalen, dessen Verherrlichung nicht in Götzendienst ausarten darf. Das ist das Tragische an diesem Unvergleichlichen, daß er allein unter seinen Zeitgenossen erkennt, es gibt über dem Völkischen noch ein Höheres, das Menschliche. Für diese feine Neuentdeckung trägt er Hohn und Spott, duldet er als Daterlandsverräder und Volksfeind, geht er mit dem schweren Schritt des Einsamen durchs Leben und harrt der Zeit, mit dem neuen Eottesbunde in den Seelen, „da man ruhig weilet und keiner schreckt". Diesen Frieden auf Erden sieht sein Schüler Ezechiel folgerichtig aus der immer großer werdenden Gmtererkenntnis auf Erden allmählich zu den Menschen kommen, und der große Unbekannte in Babel, dessen Predigten den zweiten Teil des Jesajabuches bilden, ist davon durchdrungen, daß es Israels, des duldenden Gottesknechtes herrliche Lebensaufgabe ist, der Friedensbote unter den Menscher: zu sein, der Bund der Nationen, das Licht der Völker!

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