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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 431

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Die Kundgebung des Centralvereins
Date
1918-11-01
Page
431 (sequence 5)
Language
German
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43! Die Kund^buuZ des Centralvereins mii dem fie Einfluß auf die Wage der Gerechtigkeit abwehren sollte, selbst in die Wagjchale wirst — vae victis —, dann werden wir uns den Ausspruch des Kanzlers Max von Baden zu eigen machen: daß, wer sich ehrlich auf den Boden des R^e ch t s r i ed e n s stellt, sich nicht kampflos dem Gewaltfrieden preisgeben darf. Wir werden nicht vergessen, daß, wie Fichte es ausdrückt, nicht die Stärke -der Arme, sondern die Kraft des Gemüts und, wie es die Bibel sagt, nicht die Zahl der Heere den Ausgang des Krieges entscheidet. Es soll unsere Regierung wissen, und es muß hinüberschallen über das Weltmeer, daß wir uns alle Opfer, nur nicht das unserer Ehre auferlegen lassen, und daß wir entschlossen hinter unserer Regierung stehen, bereit, Gut und Blut und Leben einzusetzen, wenn unser Streben nach einem zwar opferreichen, aber ehrenvollen Frieden versagt Bleibt. Ich mag aber nicht mit dem Ausblick aus blutige Fortsetzung des Krieges schließen. Ich erinnere mich des Ausspruchs Dostojewskis, daß das gegenseitige Mißtrauen die Quelle des üblen Zustandes i.n Europa ist und daß dieses erst schwinden wird nach Millionen von Opfern und Strömen von Blut. Ich glaube, daß diese Ströme von Blut geflossen und die Millionen von Opfern gebrach! sind, daß also die Zeit da sein könnte, die das europäische Problem in einen allgemeinen Frieden auslöst, und ich will deshalb hoffen, daß -die Voraussage Conrad Ferdinand Meyers an unseren Söhnen wahr werden wird: „Und ein königlich Geschlecht wird erblüh'n mit starken Söhnen, Dessen Helle Tuben dröhnen: Friede, Friede aus der Erde." (Lebhafter, anhaltender Beifall.) ' - Professor Or. Franz Oppenheimer: Mr stehen in ernstester Zeit. Ein-e Welt bricht vor unfern Augen Rodder, und noch wissen wir nicht, was unser persönliches Schicksal seirp wind. Das, was uns bis jetzt betroffen har, mag nur der Anfang sein zu noch viel Schlimmerem. Was wir erleben, ist ein fünsattiges weltgeschichtliches Drama, und wenn der Frieden geschlossen wird, fällt der Vorhang zum ersten Male; dann ist das vorbei, was man die Exposition nennt; dann beginnt erst der Konflikt, die Entwicklung. Und wer sein Vaterland liebt, wer auch nur seine eigene Haut liebt, 'die in solchem Zusammenbruch entschieden löcherig werden könnte, der sollte, wenn er nicht den Mun-'d halten kann, wenigstens Disziplin halten. (Stürmische Zustimmung.) Ich verstehe die Empörung, die sich jetzt überall Lust Macht. Ich wundere mich auch nicht, wenn man nach alter Weise m berechtigter Erregung nach Schuldigen sucht. Es gibt noch eine Schule 'der Historik, die glaubt, daß es Menschen gibt von so großem Format, daß sw imstande sind, die Massen mit sich zu reißen und ungeheure geschichtliche Erotznisse hervor- Zuöringen. Die Schule steht auf dem Aussterbeetat; aber sie hat noch eine Reihe von Vertretern. Stellen wir uns einmal auf ihren" Standpunkt. Wer von all den Leuten, -die heute am Kriege die Schuld tragen sollen, .die Grey, die Poincare, die Clenreneeau, der Kaiser Nikolaus und andere gekrönte Haupte? und Minister — wer von all denen hat denn wohl heroisches Format gehabt? (Heiterkeit.) Lauter kleine ängstliche Menschen, die nus -lauter Angst in -diese Katastrophe himeingerutscht sind. Kein einziger hat es gewollt, kein einziger hat es herbeiführen wollen. Jeder hat es i:n letzten Moment noch zu verhindern versucht! Was ist denn also geschehen? Ein Welt beben ist geschehen, eine ungeheure Scholle Her" Erdrinde, die unterhöhlt war, ist eingestürzt und hat Menschenglück und Menschenleben unter sich begraben. Die Imperialismen, die Kapitalismen der großen exportierenden Industriestaaten sindaufeinanderaepoßen wie zwei Lokomotiven in voller Fahrt, wie Zwei Welt-

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