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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 418

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Umwälzung und Kriegsende
Date
1918-11-01
Page
418 (sequence 2)
Language
German
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418 Im Leut-scheu Reich überstürzten sich die Geschehnisse. Me neue Regierung richtete am 5. Oktober ein Waffenstillstands- und Friedensangebot an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika; sie Lat es im Vertrauen darauf, daß Wilson von Anfang an, als noch keiner der Kriegführenden hiervon etwas wissen wollte, für einen Frieden ohne Sieger und Besiegte eingetreten war, für einen Rechtsfrieden, der so gestaltet sein müsse, daß er keinen Stachel und keinen Keim zu neuen Kriegen hinterlasse. Die Krönung dieses Friedens sollte ein Völkerbund werden, in dem alle Völker, auch die schwächsten, gleiche Rechte und gleichen Schutz erhalten. Wilson beantwortete das deutsche Angebot mit drei Fragen, und zwar so rasch, daß das deutsche Volk annehmen mußte, der Weg aus dem blutigen Jammer zur Waffenruhe und zu Friedensverhandlungen sei offen, falls die deutsche Regierung ble drei Vorfragen p Wilsons Zufriedenheit beantworte. Me Regierung tat das (am 12. Oktober); sie tat es jogar in der Frage, die bei vielen den Atem beklemmend stocken ließ: Wollt ihr die besetzten Gebiete räumen? Unsere Volksregierung beantwortere die Fragen in Wilsons Sinne ohne Wenn und Aber, ohne Verklausulierungen, offen und undiplomatisch. Aber nun war es Wilson, der die alten diplomatischen Methoden, die er in die Raritätenkammer zu sperren vorgab, selber anwendete. Er forderte in seiner zweiten Antwort vom 14. bfto&et plötzlich Sicherheiten und Bürgschaften dafür, daß bei einem Waffenstillstand die „gegenwärtige militärische Ueberlegenheit" der Alliierten nicht gestört werden konnte (obgleich Deutschland die Räumung des besetzten Gebietes zugesagt hatte). Er erklärte, daß bk Bedingungen des Waffenstillstandes von den militärischen Ratgebern Amerikas und seiner Verbündeten festzusetzen seien (also nicht von einer gemischten Kommission, die Deutschland vorgeschlagen hatte), und er machte schließlich Andeutungen gegen eine „willkürliche Macht, die nach eigenem Belieben, heimlich den Frieden der Welt stören" konnte. Er sprach aber nicht klar und offen aus, wen er meinte, und er erwähnte selbstverständlich auch nicht, daß das deutsche Kaiserreich seit seiner Geburt 1871 bis 1614 keinen Krieg geführt und der deutsche Kaiser sich stets, auch in kritischen Zeiten, für den Frieden eingesetzt hatte. Neben diesen unerwarteten Forderungen und Andeutungen änderte Wilson auch den Ton. Er erhob in einem Dokument, das der Anbahnung des Friedens gewidmet sein sollte, gegen die deutsche Kriegführung zu Lande und zu Wasser schroffe Anklagen, die aus dem Greuelfeldzug geschöpft waren, den die Presse der Alliierten zu durchsichtigem Zweck seit unserem Friedensangebot entfesselt hatte. Hatte man also Wilson kein Unrecht getan, als man ihn einen Heuchler nannte? Oder war er nicht der starke Mann, der auch gegen die rach- und eroberungssüchtigen Bundesgenossen seine öffentlich, zuletzt noch am 27. September d. I., verkündeten Ideale durchsetzen könnte? Kundgebungen wurden nun in Deutschland veröffentlicht, die von der Regierung verlangten, das Volk zum nationalen Verteidigungskrieg zu entflammen. Die Kundgebungen waren verständlich. Sollten wir uns gebunden in

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