Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Mecklenburg voran in Abschaffung des Judenleibzolls
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 394 (sequence 3)
- Language
- German
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394 Im öeutjdjen Reich 1914, .Israel. Familienblatt, Bericht -der Eroßloae März 1914 und den Hinweis in der Mainummer 1914 dieser Zeitschrift, S. 223). bringt uns wieder die Literatur über diese schmachvolle Steuer in Erinnerung. Sämtliche Schriftsteller, die diese Frage behandeln, verweisen auf einige größere Staaten, die den Leibzoll bereits im achtzehnten Jahrhundert abgeschafft haben, so Bayern (1744, und nachdem er wieder eingeführt, 1799), Oesterreich (infolge desToleranzedikts 1781/2), Preußen 1787, Frankreich 1784/ während „die kleineren Staaten Drittel- und Westdeutschlands noch immer nicht daran dachten, diese nicht geringen Einnahmequellen auszugeben". „Da war es Wolf von Brerdenbach, der sich der entehrten Glaubensgenossen annahur und mit Mut, Entschlossenheit und edlem Eifer der Gerechtigkeit zum Siege verhalt" (Guggenheim). Merkwürdigerweise ist es diesen Schriftstellern entgangen, daß in Mecklenburg "der Leibzoll bereits im Jahre 1701 abgeschasst worden ist, obgleich schon Donath in seiner Geschichte der Juden in Mecklenburg (Leipzig 1874) darüber kurz berichtet hat. Ja, M. Silberstem knüpft in seiner Abhandlung „Wolf Brerdenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland", S. 138, an die Worte Breidenöachs in des letzteren Schreiben an den Fürsten von Nassau-Rsingen vom 25. Marz 1805 „zur weiteren Verfolgung meines Zwecks in nordische?! Gegenden" die Bemerkung: „Bemerkenswert ist in diesem Schreiben, daß Brerdenbach die Absicht hatte, seine hochherzige Tätigkeit auch nach dem Norden, vermutlich nach Mecklenburg und Sachsen, zu verlegen, woselbst der Leiözoll noch in voller Blüte stand. Do er seinen Plan verwirklicht, ist uns unbekannt." Hier wird es Pflicht, der geschichtlichen Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen. — Die Judenakten tnt Großherzogl. Geheimen und Hauptarchiv zu Schwerin (Alter Bestand) enthalten ein kleines Faszikel über Judenleibzoll mit wenigen Nummern, die sich auf die Jahre 1685, 1694 und 1701 beziehen. Bor 1700 sind es Verhandlungen wegen Abschaffung des Personalzolls für einzelne Juden, Hamburger und Berliner. Der Sekretär Bernhard' Joachim Knövernagel schreibt am 11. September 1685 von Berlin aus an den Mecklenburgischen Herzog über die Aeußerung des Herrn v. Grumbkow, daß in Hamburg wohnende und nach Berlin handelnde Juden sowie allhie zu Berlin seßhafte Juden gesonnen wären, Serenissimo für den sogenannten Leibzoll ein Gewisses zu erlegen. Sie werden von den Zöllnern wider das Herkommen ganz nnbilligerweise, und öfters nach eigenem Gefallen, ohne dero Herrschaft sonderbaren Nutzen be- 'chwert. Bon dieser Beschwerde wollen sie sich befreien. Schon rüher seien solche Verhandlungen gepflogen worden, nran hätte aus den 'Zollregistern die Höhe des Leibzolls ersehen und danach das zu erlegende Kapital bezeichnet. Man werde den Vorteil haben, daß die Juden das Commercium auf der Elbe künftig fleißiger treiben und ein Wehres dadurch an Zöllen von ihren Gütern erlegen und bezahlen. Nur wenigen Judenfamilien solle die Befreiung zugestanden werden. Zur Vermeidung alles Unterschleiss, und damit keine polnische und schlesische Juden sich durchschleichen möchten, solle man vorsichtigerweise die Namen der Begünstigten in der Konzession ausdrücklich bezeichnen. 1683/4 und 1684/5 betrug die Ein-