Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich L7S erfüllten Lärm wie der sanfte Sang eines Engels wirkte, der über dem Gekreisch satanischer Kreaturen schwebt. Doch das Gekreisch war noch zu stark; die Rede Solfs hat nur Ohren gefunden, die sich schon vorher dem Höllenchor des Hasses verstopft hatten. Ihm folgte Prinz Maxvon Baden, von jeher schon ein Weltbürger und trotz dem winkenden badischen Thron mit mehreren Tropfen demokratischen Oeles gesalbt. Seine Rede war ein Appell an die Menschlichkeit. Er sagte unter anderem: „Schlimm stände es um die Nationen, die glaubten, die Fackel der christlichen Gesinnung wahrend des Krieges senken zu dürfen." Gerade von ihm ist nicht anzunehmen, daß er von der „christlichen Gesinnung" die Staatsbürger anderen Glaubens ausnehmen wollte. Er hat sicherlich das Wort „christlich" im landläufigen, allgemeinen Sinn gemeint, nicht als Unterscheidungs- oder gar als Ausscheidrmgsrnerkmal. Es wird ihm bekannt sein, daß die Forderung der Nächstenliebe dem Judeytum entstammt, und er wird gewiß nicht den Irrtum des Kaisers wiederholen wollen, der einmal behauptete, nur ein guter Christ könne ein guter Soldat sein. Prinz Max weiß ja auch, daß die mohammedanischen Türken gleich ihm und gleich uns die Verständigung und Versöhnung der Völker erstreben. Es folgten die härteren Ausführungen des preußischen Kri e g s m in i ste rs v. Stein gegen die gefährlichen Verbreiter übler Gerüchte und aufreizender Verleumdungen. Ferner sprach der K a i s e r zu den Arbeitern von Krupp, und er sprach als Landesvater, kameradschaftlich und familiär. H i n d e n - bürg erließ eine mannhast-ernste Kundgebung an das deutsche Volk, die in allen Ortschaften angeschlagen wurde, und dann hielt der demokratische Vizekanzler v. Payer in seinem schwäbischen Stuttgart eine programmatische Rede, in der das Entgegenkommen in der belgischen Frage und die Festigkeit in der Ostpolitik schon um dessentwillen starke Beachtung und auch heftige Anfeindungen erfuhr, weil bekannt wurde, daß die Ausführungen vorher dom Reichskanzler gebilligt worden seien, der wiederum im engsten Einvernehmen mit der Obersten Heeresleitung steht. ' Allzulange war das Feld der Redeschlachten den Staatsmännern der Alliierten überlassen, worden. Auch wenn man überzeugt war, daß durch Reden ein Krieg nicht gewonnen werden könne und militärische Siege das Hauptmittel zu einem Frieden seien, so durste der moralische — in diesem Fall wohl richtiger der unmoralische — Feldzug der Gegner nicht außer acht gelassen und im Bewußtsein, für eine gerechte Sache zu kämpfen, gemieden werden. Es ist ein alter Fehler, der deutschen und der preußischen Regierung, die Stimmungen der Völker nicht in