Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die Interpellation Hänel
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 353 (sequence 3)
- Language
- German
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- Ausruf 363 und klar von der Hand gewiesen, und auch aus dem von einer konservativklerikalen Majorität vollkommen beherrschten Abgeordnetenhause hatten sich zwar Stimmen der Sympathie erhoben, aber die große Majorität der Volksvertreter hatte keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch sie, vielleicht Stöcker ausgenommen, für eine Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte in keiner Weise zu haben war. Die ausführlichen Reden der liberalen Abgeordneten aber lieferten den Gegnern des Antisemitismus im Land scharfe Waffen, die bei seiner weiteren Bekämpfung noch jahrelang gute Dienste leisteten." Die schwierigen Erwerbsverhältnisse nach dem Kriege, besonders für unsere jüdischen Mitbürger, ferner die Notwendigkeit für die zurückkehrenden Kriegsbeschädigten und Erwerbslosen Berufe zu finden, lassen den Garten- und Obstbau als besonders geeignet für diese Erwerbsuchenden erscheinen. Der Garten- und Obstbau, verbunden mit gemeinsamer Wasserversorgung und Verarbeitung der Erzeugnisse zu Konserven, versprechen gute Rentabilität und beanspruchen andererseits wegen der intensiven Bewirtschaftung keine erheblichen Bodenslächen. Nach den ausgestellten Berechnungen für eine Siedlung von mindestens zehn Familien, die auf Grund des Rentengütergesetzes iu§ Leben zu rufen wäre, gewährt ein Gärtnerhof von etwa fünf Morgen für die Familie bereits eine gesicherte Existenz. Es käme ferner in Frage, um die Flucht der Juden aus den kleineren und mittleren Städten möglichst einzuschränken, Grundstücke vor den Toren derartiger Städte denjenigen Bürgern zur Verfügung zu stellen, die dort ein Gewerbe oder Geschäft betreiben. Diese Tätigkeit ergänzend, wäre der Beruf von Gartenöürgern nach Art des früheren Ackerbürgers — zu schaffen. Hier genügen schon 1 bis 2 Morgen — bei Benutzung der vorhandenen städtischen Wohnungen — zu einem ansehnlichen Zuschuß für die Lebenshaltung, die daneben zum Teil von den beizubehaltenden Gewerben mitbestritten wird. Die Erlernung des gärtnerischen Berufes ist in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erreichen und bietet wenig Schwierigkeiten; sie soll in besonders zu gründenden Lehrgärtnereien oder in Handelsgärtnereien ermöglicht werden. Die Erfahrung ist auch hier die beste Lehrmeisterin. Die Erlernung der Gemüse- und Obstzucht kann unter Anleitung eines Fachmannes auch an Ort und Stelle, ferner durch Fachschriften und durch Vorträge von Wanderlehrern erreicht werden, so daß der.Besuch von Fachanstalten nicht unbedingt notwendig sein wird. Wenn auch der Erwerb oder die Pachtung geeigneter Landflächen in größerem Umfange zunächst auf Schwierigkeiten stoßen mag, so werden diese, sobald das allgemeine Interesse erweckt ist, sich überwinden lassen. Bei nur einigen guten Erfolgen ist auf eine allmählich zuwachsende Entwicklung zu rechnen, die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und erzieherischen Ergebnisse werden sehr bald zur Nachfolge anspornen und na-