Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
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Die jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne 345 ■bte Individualität seines Sohnes, während die intelligente Mutter ihr Bestes, die Schätze ihres' Geistes und Gemütes, auf den Sohn überträgt, ihr Herzblut in ihn ausströmt. Die verschiedenartige Stellung der Eltern zu dem Knaben Offenbart sich uns schon am Tage seiner Geburt. Während der jüdische Barer mit stolzem Lächeln in ihm bereits den Träger seines Namens, den Stammhalter seines' Geschlechts, das dereinstige wertvolle Glied seiner Glaubensgemeinschaft, -den trefflichen Staatsdiener sieht, ringt nach -das Herz der Mutter in glühender Dankbarkeit, frommen Vorsätzen und Gelübden zum Himmel empor. Sie siebt in dem Knaben nur ihr Kind, ein Stück ihrer selbst, aber auch das Kind des Mannes, den sie liebt. „Du guter Gott im Hinnneck droben, Bin ich so heil'gen Glückes wert?" Der höchste Reichtum und die tiefste Armut können an diesem Gefühl nichts ändern, denn cm Stärke ist ihm kein anderes auf Erden gleich. Die Mutterliebe kann die Welt bezwingen, ihre siegende Allgewalt ist unbestreitbar. Bald erwachen schon besondere Gefühle für den Sohn in der jungen Mutter. Wohl ihr, wenn sie selbst seine Nähr- und Pflegemutter sein kann! Obgleich der Schmerz, der ihrem Kinde bereitet wird/ ihr Mutterherz tiefbewegt; der Tag, da ihr Sohn in den Bund Israels ausgenommen wird, ist der höchste Glücks-, der stolzeste Freudentag für die jüdische Mutter. Daß ihr Sohn dereinst dieser Glaubensgemeinschaft treu und unverbrüchlich anhauge, daß er diesen Glauben, die Lehre von dem einig-einzigen Gotte Israels, lieben lerne von ganzem Herzen und mit ganzer 'Seele, solle die Hauptarrfgabe ihres Erziehungswerkes an ihm sein, gelobt sie sich in dieser feierlichen Stunde. Opfer um Opfer mit Entzücken gebracht, verwandeln den Typus des blühenden rosigen Weibes in den durchgeistigteren der Mutter. Im vollen Sonnenschein Zärtlichster Elternliebe wächst der Knabe heran und immer tiefer in das Mutterherz hinein, und des Vaters Antlitz leuchtet im vollen Glück der Befriediaimg, wenn'er die beiden vereint erblickt. Des Mannes Herz erweist sich hier zu groß für kleinliche Eifersucht. Die Märtyrerjahre der Mutter beginnen, da sie den Sohn zur Schule wandern sieht, der erste Schritt der Trennung beider ist damit geschehen; sie beginnen aber auch mit der wachsenden Kraft des Knaben und des in ihrem Gefolge sich einstellenden Wagemutes. Angst und freudiger Stolz sind ein fester Kitt, und so verwächst die Liebe zwischen Mutter und Sohn immer inniger. Mit der erweiterten Bildung wuchs die Kraft und Intelligenz der jüdischen Frauen und Mütter, und eine hohe Aufgabe eröffnete sich ihnen: teilzunehmen an dem religiösen Leben, ohne lärmende Fanfaren, ohne Fanatismus, mit ruhiger Energie Lebensforderungen zu künden zur Erhaltung und Kräftigung des Judentums durch ihren Einfluß auf ihre Söhne und somit für die Gesamtheit der Zukunft. Die'religiöse Erziehung soll frühzeitig einsetzen, für'die Knaben und Mädchen gleichermaßen. Noch ehe das Kind den Namen Gottes aussprechen, das Wort „Gott" verstehen kann, hat das Händefalten,