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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 344

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Einen Aufruf zur Einigkeit
Date
1918-09-01
Page
344 (sequence 3)
Language
German
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344 Im deutschen Reich haben bis jetzt unser Banner mutig vorangetragen und manchen Sieg errungen; unter ihren Fahnen wollen wir uns auf neutralem Boden, nicht geschieden durch Rang, Stand und Ansehen, als mächtiges, woblorganifiertes Heer treffen. "Kein deutscher Jude fehle in nr.^zn Reihen, keiner denke, daß es auf ihn nicht aiuontme; jeder ist wichtig und von Werch Und haben wir die Einheit im Innern, so fehlt es uns nicht im Kampfe nach außen. Dann firtt> wir das, was die deutschen Juden Langst sein sollten, sein mssen: Ein einig Volk von B r ü b cm! Die jüdische MMter als Erzieherm ihrer SSHZre. Bon Regina Neißer - Breslau, *) ^Eine Mrrtter soll Wächterm am Herzen ihrer Sohns fsin."' Kaiserin Augnsta. Unsere Zeit hat der gesamten Frauenwelt höhere Pflichten auferlegt, größere Aufgaben gestellt, als deren Müttern und Großmuttern; nicht zuletzt der jüdischen Frauenwelt. Die ewveiLerLe Frauenöildung, die alle Kreise umfaßt, ist eine L ebenso edingnng geworden, die mit dem Wirkungskreis, der sich den Frauen erschlossen hat, zu einer Kulrurnotwendigkeit herangewachsen ist. Es wird so viel über die Erziehung unserer Töchter geschrieben und gesprochen, jedoch bei weitem weniger über die unserer Sohne, und doch ist diese nicht'minder wichtig als jene; gilt es doch, unsere Söhne gleichermaßen in Treue zum angestammten Glauben wie zum Vaterland zu erziehen, in ihnen wahre aufrechte Männer, tüchtige Staatsbürger it jenen Tagen des grauen Altertums, da Cornelia, die Mutter der Gracchen, ihre Söhne ihre höchsten Kleinodien nannte, da die heldenmütige jüdische Mutter ihre Glauoenstreue mit dem Blute ihrer sieben Söhne opfermutig besiegelte, ist der seelische Zusammenhang zwischen Mutter und Sohn stets als ein besonders inniger anerkannt worden. Wohl fesselt die Elternliebe Vater und Mutter gleichermaßen an den Sohn', aber vom, ersten Schritt, mit dem das Kind seine schwachen Kruste versucht, bis zu den ersten Erfolgen und Kämpfen des vollentwickelten Mannes schenkt der Sohn der Mutter das köstlichste, unbeschränkteste Vertrauen, das sich oft dem ernsten Vater kaum mit dem erwachenden Verstand des Knaben schüchtern und selten ganz rückhaltlos erschließt. Es erklärt sich hieraus der große Einfluß, den die Mutter auf die Entwicklung des Sohnes ausübt und die wichtige Stellung, welche die Frau bei der Erziehung der männlichen Jugend einnimmt. Es ist eine auffallende Erscheinung, daß große Männer sich .selten geistig ebenbürtiger Söhne erfreuen, während fast alle hervorragenden Männer ausgezeichnete Mütter gehabt haben. Der große Mann erdrückt gleichsam mir der Wucht seiner Persönlichkeit *) Die Verfasserin begeht am 20. September ihren 70, Geburtstag.

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