Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Einen Aufruf zur Einigkeit
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 343 (sequence 2)
- Language
- German
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Einen Ausruf zur Einigkeit 343 frlief mit lächerlichem Partei gezänk aögeöen? Fühlen wir denn nicht, wie es um uns steht, was um uns herum vorgeht? Dan eine Welt von Feinden, bissiger, gehässiger, bösartiger als die Feinde Deutschlands, uns umringt, gegen uns Plane und Ränke schmiedet und nur den geeigneten Moment, die Zeit nach dem Kriege, abwartet, um gegen uns mit.allen zur Verfügung stehenden Mitteln loszuschlagen? Diese grimmen Feinde, die Antisemiten, deren Zahl sich während des Krieges erschreckend vermehrt hat (die Ursachen hiervon sollen später berührt werden!), sie rüsten gegen uns in einer Art, die alles bisher Dagewesene übertrifft, die bie Aera eines Stöcker, Ahlwardt oder des Dreschgrafen Pückler als milde erscheinen laßt. Sie gehen — trotz dem sogenannten Burgfrieden! — itt gemeinster Weise da und dort zum Angriff über; sie Hetzen. und schürfen, sie denunzieren und verleumden, und kein Mittel ist ihnen zu verwerflich, sie wenden es skrupellos an. Jed er st einzelne von uns. ob hoch oder niedrig, arm oder reich, er kann Beispiele na.w Dutzenden herzählen, die antisemitische Tendenz in jeder Färbung und Aufmachung zeigen; handelt es sich nun um Vorgänge des täglichen Lebens, um solche i'm Heere (diese sind in der Mehrzahl!), in der Heimat, in Zeitungen und Broschüren, in Versammlungen, Parlamenten oder wo immer es auch sei. Der Antisemitismus macht sich überall geltend; er hält es nicht einmal sür nötig, ein Deckmäntelchen umzuhängen, frei und ungeniert treibt er sein Wesen. Ja, der Jude wird verbrannt! So ehedem, so auch jetzt! Und warum? Weil man für Tausende von Fehlern und Vergehen einen Sündenbock braucht, weil man dem Volk, das unt^ Lasten und Entbehrungen seufzt, ein Opfer geben muß, crn dem es fein Mütchen kühlen kann. Das ist unsere Lage nach außen hin, die niemand zu bestreiten wagen wird oder -kann. Aber die logischen Konsequenzen daraus zu ziehen, das Mt den wenigsten unserer Glaubensgenossen ein. Elementarsatz: .„Der Kamps gegen den Antisemitismus mutz von allen Juden unter einheitlichen Oberbefehl geführt werden!" stößt noch auf Widerstand bet vielen unter uns. Eifersüchtig hegt und pflegt diese und jene Gruppe ihre Privatanfchauungen, stellt das Interesse ihrer Partei über das Interesse des Ganzem D ihr Verblendeten und Törichten! Merkt ihr denn nicht, daß ihr dein gemeinsamen Feind durch eure Kirchturmpolitik Helfershelserdienste leistet, daß ihr die Einheitsfront gefährdet, die wir so bitter nötig haben? Noch weniger als Deutschland dürfen wir uns den Luxus innerpolitischer Kampfe gestatten; wir sind ein kleines Häuflein inmitten eines Wogenden Heeres von Feinden; wir sind die Schwachen und Hilflosen — wollen wir uns durch Verbohrtheit und Eigensinn noch schwächer, noch hilfloser machen? Inständig bittend und beschwörend wenden wir uns an alle, alle Glaubensbrüder: schließt euch zusammen, laßt Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten fallen, helft uns im Kampfe gegen^ unsere schlimmsten Feinde, die Antisemiten! Bedräng: und gehaßt um unseres Glaubens willen, des Glaubens, um den auch unsere Väter litten uni3 kämpften, wollen wir alles Trennende verschwinden lassen, nur das Vereinigende sehen; das ist die Treue und Anhänglichkeit an unsere angestammte Religion! Wir tun — wie das ganz selbstverständlich ist! — als Deutsche voll und ganz unsere Pflicht; wir wollen auch als Juden diese Pflicht voll und ganz erfülle:!' Und diese Pflicht fordert gebieterisch, daß wir den Kampf gegen den Antisemitismus geschlossen als Ganzes führen. Diese Führung besitzen wir in dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und im Verbände der deutschen Juden. Sie