Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die Protestkundgebung der österreichischen Kultusgemeinden
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 342 (sequence 3)
- Language
- German
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342 Jur deutschen Reich „Wir haben es öis an die äußerste Grenze des Duldbaren ertragen, daß der Burgfriede von seiten der Antisemiten von dein Tage seiner Proklamation an in der schnödesten Weisegestört und gebrochen wurde; wir haben es ertragen, weil wir damit dem Vaterlande dienen wollten. Nun aber, da diese Hetze bereits Formen angenommen hat, die die Bevölkerung Zu Pogromen gegen die Juden ausreizt, da es einem niedrigen Hetzer möglich war, in ein.er allgemein zugänglichen Versammlung im Rathause der Stadt Wien den Pogrom als Heilmittel für den Staat zu proklamieren, und die dort Anwesenden sich bereits als so verhetzt erwiesen, daß sie auf seinen Aufruf mit den Woten: „Führe uns!" reagierten, ba madii unsere Selbstachtung, unsere Selbsterhaltung es uns zur Pflicht, unser mahnendes und warnendes Wort zu erheben und gegen die Duldung dieser verwerflichen Agitationen Verwahrung einzulegen... Ich bin überzeugt davon, daß die zu fassende Resolution jedem einzelnen Juden aus dem Herzen spricht, und ich will trotz der trüben Erfahrungen der letzten Vergangenheit nicht die Hoffnung fallen lassen, daß Besonnenheit und Gerechtigkeit doch wieder zu ihrem Rechte kommen, und wenigstens die ärgsten Auswüchse beseitigt werden, die eine von 'unverantwortlichen, gewissenlosen Menschen ins Maßlose gesteigerte Hetze hervorgebracht hat. Wir werden aber, sollte sich diese unsere Hoffnung als trügerisch erweisen, euch der nunmehr beschrittenen Bahn' weitergehen und Mittel und Wege suchen und finden, um unsere Menschenrechte zu wahren und zu verteidigen. In solchem Falle würde ich mich genötigt finden, im Herbst eine große jüdische Volksversammlung ein- Zuberufen, der es dann Vorbehalten bliebe, über weitere erforderliche Maßregeln Zu unserem Selb st schütze Beschlüsse zu fassen." lLanganhaltender, lebhafter Beifall.) Gtnerr Sfofraf ©liiigfetf Veröffentlicht %xan Else Dormitzer-Dorn in Nürnberg in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juli. Wir glauöert, unseren Lesern und der Sache des Judentums einen Dienst zu erweisen, wenn wir den Ausführungen der Verfasserin (mit einigen Kürzungen) auch in unserer Zeitschrift Raum gewähren. „Die denkwürdigen Zeiten des August 1914 haben wir deutschen Juden mit Leib und Seele, mit' jeder Faser unseres Seins durchlebt: wir sahen die Umwandlung im Innern, die starke und starre Entschlossenheit nach außen; unsere Männer und Jünglinge bildeten einen Teil der eisernen Mauer, die seit vier Jahren unerschütterlich standhält, eben well sie geschlossen und einheitlich, also unbezwingbar ist — aber gelernt für unsere speziellen Zwecke haben wir daraus leider nicht. Die betrübende Tatsache muß sich iebem auRrängen, der Strömungen und Gegenströmungen im" Judentum unserer Tage beobachtet, der das Brodeln und Gären bemerkt, das, scheinbar noch unter der Oberfläche, Svaltungen und Klüfte hervorzurufen unternimmt, die von unberechenbarem Schaden wären. Da ist bei -Len Mitgliedern verschiedener Parteirichtungen ein gegenseitiges SichanfeindeRund Verhöhnen, ein Verspotten der nicht genehmen Ansicht, ein Fürsichbeanspruchen der alleinseligmachenden Anschaurung, und der unparteiische Zuschauer kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier Elemente am Werke sind, die — scheinbar von keinerlei arideren Sorgen belästigt- — in ihren Bestrebungen und Ideen den Hobevunkt aller menschlichen Jntere'sen erblicken und das, was sie sich mit mehr oder minder großem Geschick als Ideal ansgebaut haben, mit nicht immer sanfter Gewalt der jüdischen Mitwelt aufoktromeren wallen. ' Ja, sind wir Juden denn ganz toll, daß wir uns im jetzigen Augen-