Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die Protestkundgebung der österreichischen Kultusgemeinden
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 341 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Protestkundgcbung der österreichischen Kultus gemeinden 341 Staates bedingungslos und uneingeschränkt Gut und Blut geopfert; für Kriegsfürsorgezwecke und für die Bedürfnisse des Staates Zur Kriegführung leistet sie weit über jedes Verhältnis. 2. Sie hat in ihrer Masse durch die kriegerischen Verhältniffe nt a - i e r i e ll unqleiä) mehr gelitten als an dere B e v ö l f e - rungskreise: aber auch ihre seelischen Leiden waren unverhältnismäßig größer nicht nur, weil die Bevölkerung aller Schichten in maßloser Weife gegen die Juden verhetzt ist, sondern auch deshalb, weil gewissenlose antisemitische Parteiführer des Hinterlandes nicht ohne Erfolg bemüht waren, den Judenhaß in die Armee zu verpflanzen, selbst bis in die vorderste Feuerlinie Zn tragen wk chle Juden trotz ihrer Zurücksetzung Leben und Gesundheit für das Vate.stand aufs Spiel sehen und opfern. 3. K r i e g s g e w i n n e wurden von N i ch t j u d e n in höherem Maße erziel: als von Juden; anderseits erreicht die Summe aller Verfehlungen, deren einzelne Juden sich schuldig gemacht haben, nicht im entferntesten im Verhältnis die Summe jener Verfehlungen, deren Mchtjuden überführt wurden, ohne daß daraus für die gesamte Konfession oder Nation der Schuldigen jene verallgemeinernden Schlüffe gezogen worden wären, wie dies gegenüber den Juden geschieht. 4. Die Judenschaft Oesterreichs hat es stets in tiefwurzelnder Liebe und Treue zum Vaterlande als ihre heiligste Pflicht angesehen, alles zu unterlassen, was die Ruhe und den Frieden im Innern des Reiches zu stören geeignet wäre; niemals hat auch nur der Gedanke an einen Hochverrat, an ein Einverständnis mit dem Feinde in ihren Reihen Eingang und Verbreitung gefunden. Die Juden waren und find ein staa tserhaltendes Element von unbedingter Treue und haben einen Rechtsanspruch daran, als solches behandelt zu werden. 5.. Die Judenschaft hält es unter ihrer Würde, sich gegen die bewußt lügnerischen Anschuldigungen zur Wehr zu setzen, welche die Juden in einen Zusammenhang mit den unsinnigen, widerwärtigen Gerüchten der letzten Zeit bringen wollen. Sie erblickt eine schwere Gefahr für den Staat darin, daß durch gewissenlose Heuer in öffentlichen Versammlungen gleichzeitig mit Loyalitätskundgeöungen aufreizende Kundgebungen gegen die Juden veranstaltet werden, daß hierdurch vor einer irregeleiteten Bevölkerung Kaisertreu e und Judenhaß identifiziert und die dynastischen Gefühle auf das schmählichste profaniert werden. 6. Die österreichische Judenschaft hält es für ihre patriotische Pflicht, in dieser schweren, für die Zukunft des Staates entscheidenden Zeit den Lenkern unseres Staatswesens die Lehrer: der Geschichte in Erinnerung zu rufen, daß überall, in jedem Lande, die hemmungslose Duldung von Aufreizenden zum Hasse gegen eine bestimmte Nationalität oder Konfession in ihrer äußersten Konsequenz sich immer an dem Staatsganzen gerächt hat. Die von unverantwortlichen Demagogen versuchte und nicht nachdrücklich genug bekämpfte tzinüberleitung gärender Volksleidenschaften in eine Judenhetze ist ein für die allgemeine Staatsordnung höchst gefährliches Mittel, dessen vielleicht möglicher momentaner Effekt nt keinem Verhältnisse steht zu seinen, weiten unabsehbaren Folgen. 7. Die Judenschaft Oesterreichs lehnt jede Verantwortung für die bei weiterer Duldung dieser Verhetzungen gegen die Juden unausbleiblichen Folgen ab und wird sich letzten Endes gezwungen sehen, sich zum Schutze ihrer eigenen Existenz, zur Abwehr der ihr drohenden Gefahr, z u* o r o a n i i i c x e n." In der Plenarsitzung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde am §6. Juli führte der Präsident Dr. Alfred Stern zur Begründung der Protestkundgebung it. a. aus: