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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 340

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
340 (sequence 14)
Language
German
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34O IM deutschen Reich Politiker zu trennen. Wenn der Politiker irrt, so trifft dcrs nicht den Forscher. Das konservative Blatt vergißt nur, daß es sich hier nicht nur um falsche Angaben, sondern auch um eine Sache des Charakters handelt. In einigen Blättern ist gefragt worden, wie die Alldentscheu von einem Manne denken würden, der als Deutscher in England so handeln würde wie Chamberlain bei uns. Wir mochten lieber fragen, was die Alldeutschen sagen würden, wenn ein Jude derartig handelte. Ja, wir möchten sogar fragen, was die Alldeutschen tun würden, wenn dieser selbe Chamberlain als Engländer hier in Deutschland seine publizistische Tätigkeit nach der Richtung ausgeübt hätte, daß er etwa gleich dem Prinzen Max von Baden für das „Weltgewissen" im Kriege eiuträte und im Sinne eines Bersöhnuugsfriedens wirkte. Das Wort „Alliude" würde dann viel zu matt sein, man würde gebieterisch seine Internierung gefordert haben, von der er im Gegensatz zu andern Engländern anscheinend befreit worden war. Und nachdem er zwei Jahve lang sein Vaterland bei uns mit Kraft und Ausdauer geschmäht hatte, zog ihn Germania endgültig an ihre gepanzerte Brust. Es dürfte in Deutschland viele geben, die über diesen Zuwachs nicht sehr erfreut sind. I. Sch. Die PrsLeMtKdgevNVg der HfLerreichifchsA Mmitn§§emmzhm» ®it m unserer Umschau besprochene Kundgebung -von rund 400 Krrltusgememden Oesterreichs gegen die zu Gewalttätigkeiten aufreizenden Treibereien der Antisemiten und das passive Verhalten der Behörden ist ein so bedeutsames Dokument, daß wir sie im Wortlaut wiedergeben: „Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde legt namens der von ihm vertretenen Judenschast auf das entschiedenste feierliche Verwahrung dagegen ein, daß neuerdings seit einer Reihe von Monaten in Wien und ganz O e st e r r e i ch u n t e r D ul d u n g der Behörden eine systematische Wühlarbeit Platz gegriffen hat, die den offenkundigen Zweck verfolgt, die christliche Bevölkerung Oesterreichs gegen die Juden zu verhetzen und zu -Ausschreitungen gegen dieselben aufzureizen. Diese antisemitische Organisation hat in Westösterreich in den sogenannten Deutschen Volkstagen ihren Höhepunkt erreicht, in deren Verlaufe die in Massen anwesende Bevölkerung zu direkten Pogromen gegen die Juden ausgeforderr wurde, ein Beginnen, das angesichts des" in der Bevölkerung angehäuften Zündstoffes fast zu unmittelbarem Erfolge geführt hätte. Gegenüber den in den antisemitischen Versammlungen und in der antisemitischen Presse wider die Juden im allgemeinen vorgebrachten Unwahren, erdichteten und entstellten Äuwürfen sieht sich die österreichische Judenschast veranlaßt, nachdrücklich festzustellen: 1. Die österreichische Judenschast in ihrer Gesamtheit hat in diesem Kriege bisher gleich allen anderen Vaterlands- und-kaifertreu-enBürgern dieses

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