Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Betrachtungen zum Pogrom in Krakau
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
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'"Betrachtungen zmn Pogrom in Krakau 283 gerufen durch Gassenbuben und unverantwortliche Elemente. In dieser Hinsicht hat die polnische Gesellschaft Krakaus es im Fluge 'verstanden, die Sache so hmzustellen, als ob die ohne Obhut gebliebenen Jungen, die der Schule entbehren, sich einfach Gassenstreiche erlaubten: der Krakauer Fürstbischof hat sogar einen hierauf bezüglichen Hirtenbrief erlassen. Auf diese Weise konnten die polnischen Lügenberichte im In- und Auslande wenigstens den plausiblen Schein erwecken, daß die polnische Gesellschaft nach wie vor von Pogromseuche und Pogromgefahr frei sei. Wenn dem so ist. wie erklärt sich die ganze Kette von Pogromen oder pogromartigen Ausschreitungen in einer Reihe von polnischen Städten, und zwar seltsamerweise gerade nach dem Darum des Brest-Litowsker Friedens, vorn 9. Februar 1918? Galten denn in RZeZZöw, Mirlec, Stryi, Drinow, Frysztak, zuletzt noch im Mai in V-irücz, dieselben Ursachen für die Ausschreitungen? Welchem Zufall ist es zuzuschreiben, daß in den sämtlichen aufgezählten Ortschaften ausnahmslos nur jüdische Geschäfte geplündert und jüdische Bewohner blutig mißhandelt wurden? Es mag ja zum großen Teil richtig sein, daß der Untergrund ein wirtschaftlicher war, wie wir ja ohne weiteres zugeben, daß der Hunger den unmittelbaren Anlaß zu den Ausfüsreür.rigen geboten hat. Allein sehen wir uns den wirtschaftlichen Untergrund an. In Galizien ist der Jude bekanntermaßen Händler, Vermittler; Urproduzenten sind die polnische» und ruthenischen Bauern. Nun haben sich die Verhältnisse im Kriege stark zugunsten der Baueruklaffe geändert. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln, die Lei uns leider an organischen und organisatorischen Grund üb In lmdest ift es, die den Bauer zum allgewaltigen Hern: : ,k.t. Zwar ist die sämtliche Brolfrucht, außerdem b > st >' brr und die Erdäpselerute ausschließlich vom s aml ongsdienst zur Versorgung der Gesamtheit b.üchast.i.: gerade den Kleinbauern ist es ein leichtes, den größten Teu ihrer Feldfrüchte sorgfältig zu verstecken und sie dann in den sw-iu nrnen Monaten des Frühjahres bis zur Ernte zu exorbiLan»eu Dreisen zu verkaufen So wird ein Meterzentner Getreide austan für den behördlich festgesetzten Preis von 40 Kronen um mehr als 500 Kronen verkauft, Kartoffeln anstatt für 39 Kronen für 160 Kronen usw. Der galizische Bauer ist reich geworden, er hat feine Hvpothekarschulden abgetragen, er schmaust zu Hause, hat sogar Geld für allerlei Parfümerien und sonstige Luxusartikel, worüber unsere Kaufleuts n.nd Llpothsker in den Städten Auskunft geben können. Der Bauer wird auch seltener Besucher des Marktes, er wird vielmehr öfter von den Städtern besucht und umschmeichelt. Er verkauft im Schleichhandel feine Produkte, sei es ohne, sei es