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Im deutschen Reich · 1918-06-01 · Heft 6 (Juni 1918) · p. 263

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 6 (Juni 1918)
Article
Der Pogrom in Krakau
Date
1918-06-01
Page
263 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes 263 Presse — wie es scheint zu Unrecht — gesunden hat, als authentisch angesehen werden darf, geben wir die Darstellung in ihren wesentlichen Zügen wieder. „Die Ereignisse nahmen ihren Anfang am Dienstag, den 16. April, und entstanden auf einem Marktplatz am Klevarz infolge eines bis nun nicht bestätigten Gerüchtes, als ob jüdische Händler Mehl, welches, aus dem polnischen Okkupationsgebiet hineinaeschmuggelt, zum Kauf angeboren wurde, in preistreiöerischer Weise angekauft haben. Es entstanden hierauf Tumulte, es bildeten sich größere und kleinere Banden halbwüchsiger Burschen, denen sich dann auch Erwachsene anschlossen, welche die Straßen durchzogen, jüdische Passanten beschimpfte?!, mißhandelten und schlugen, Juden aus den Wagen der Straßenbahn herausschlepvten und blutig schlugen. Gegen Mittag wurde das erste jüdische Geschürt geplündert, und diese Plünderung jüdischer GeschLstslokale wiederholte sich am Nachmittag und im Verlaufe des folgenden Tages. Am Dienstag, dem ersten Tage der Ausschreitungen, verbreitete sich das Gerücht, daß ein gewisser Meiler aus Stryj, welcher zum Besuche seines hier aarnisonierenden Sohnes nach Krakau gekommen war, infolge der erlittenen Mißhandlungen gestorben ist. Die gerichtliche Obduktion der Leiche ergab nach einer amtlichen Verlautbarung als Todesursache Herzschlag, doch steht Zweifellos fest, daß der Verstorbene einige Stunden, nachdem er vom Pöbel geschlagen worden war, gestorben ist. Die Polizei hat voLständig versagt. Ich habe schon am frühen Morgen, als ich von den ersten Exzessen halbwüchsiger Burschen hörte, Leim Polizeidirektor interveniert und energische Blaßregeln gefordert, ich habe dann im Verlaufe des Vormittags des 16. April sowohl beim Polizeidirektor, als auch im Stadtpräsidium, wie auch beim Leiter der politischen Behörde interveniert und energische Maßregeln gefordert, und ich habe überall mit allem Nachdruck darauf hingewiesen., daß diese Ausschreitungen einen archeren Charakter haben, als sog. tzungerexzesse, denn es werden ausschließlich jüdische Bürger mißhandelt und geschlagen, und es werden ausschließlich Geschäfte jüdischer Kaufleute am hellichten Tage erbrochen und geplündert. Die Anordnungen der Polizeidirektion erwiesen sich als unzulänglich, die Polizeisoldaten als unzuverlässig, denn sie verhielten sich zumeist passiv, oft sogar so, als ob sie die Exzedenten ermuntern wollten, und verweigerten in den meisten Füllen, einzuschreiten. Präzise Tatsachen unter genauer Beweisstellung über das Verhalten der Polizeiorgane habe ich dem Polizeidirektor, sowie dem Herrn Ministerpräsidenten und dem Minister für Galizien mündlich und in einem schriftlichen Memorandum mitgeteilt. Der Polizeidirektor gab ohne weiteres die Unzulänglichkeit der ihm zu Gebote stehenden Mittel zu und verlangte schon am ersten Tage der Ausschreitungen Militärassistenz. Das Militär mußte tatsächlich einschreiten und von der Feuerwaffe Gebrauch machen, es gab vier Schwerverwundete und zwei Tote, darunter ein vierzehnjähriges christliches Mädchen, welches, wie behauptet wird, an den Exzessen nicht teilgenommen hat. Es wurde versucht, auch im Wege der Presse auf die Gemüter beruhigend einzuwirken, allein die Zeus u r ö e h ö t b e inhibierte jede die Exzesse betreffende Mitteilung; auch der hiesige Fürstbischof erließ im Wege der Presse einen Hirtenbrief, in welchem die Ausschreitungen aufs entschiedenste verdammt und zur Ruhe gemahnt wurde. Auch dieser .Hirtenbrief wurde von der Zensurbehörde nicht zugelassen und erst nach einigen Tagen wurde bloß dessen Plakatierung bewilligt. Angesichts dieses Versagens der lokalen Polizeibehörde sah ich mich veranlaßt, mit dem hiesigen Reichsratsaögeordneten Dr. Adolf Groß beim Ministerpräsidenten Dr. Seidler in Wien Zu intervenieren. Wir erwirkten

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