Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Lord Northcliffe, der Antisemit
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 256 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316876-2316882-2354155--28702-2354237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
258 Im deutschen Reich Lsrd NorLheliffs, der Arrttfemtt. Für die Hetzerei der Northelifft-Prefse gegen die Deutschen, werden mit einer Unausrottbarkeit, wie sie leider nur Unkraut und Lüge besitzen, immer wieder die Juden verantwortlich gemacht durch die schon oft als Verleumdung widerlegte Behauptung/der edle Lord sei ein Jude Stern aus Frankfurt a. M. Zuletzt hat der antisemitischkonservative Abgeordnete Heins in seiner iudenhetzerischen Rode im Abgeordnetenhau-se neben anderem auch diesen Schwindel vorht. Da ist es nun endlich an der Zeit, von der Abwehr zum überzugehen und den Herren, die der Wahrheit durchaus ihre Ohren verschließen, um auf ein beliebtes Hetzthema nicht verzichten zu müssen, klarzumachen, daß Herr Northclifse, worauf ja schon seine üblen Eigenschaften und feilte^ EisenstiruigkeiL im Verleumden Hinweisen, zur G e n o s s e n s ch a f L der Antisemiten rilletL-n der „Frankfurter Zeitung" (Nr. 140 : Eduard Leoi über Lord Northcliffe u. a. gehört. In einem F vom 22. Mai) schrei folgendes: Eesare Borgia — aber ohne dessen Kultur, ohne dessen Geistigkeit/ jedoch dieselbe Ruchlosigkeit, derselbe Wille zur Macht, dieselbe Amoralitat, mit gewissen Hemmungen des zwanzigsten Jahrhunderts, so erscheint mir dieser Emporkömmling. Im. Auftreten Amerikaner, nimm: er sich mit hen ungefügen Schultern und den plumpen Gesten nicht eben vorteilhaft hinter den englische:- Aristokraten aus. Sich dessen bewußt und auch des Mangels au Geistigkeit und der guten und sicheren Form, die Kultur und Erziehung verleihen, haßt er die echten Aristokraten' instinktiv. Daher der Feldzug gegen Lord tzaldane, im Verein geführt mit dem Organ der „echt russischen Leute" Englands, der „Morning Post", deren geistiges Niveau hinwiederum damit sich kennzeichnet, daß sie Lord Haldane wegen seiner Liebe für Kant und Schopenhauer, .zu einem Schwachsinnigen stempeln will und verächtlich fragt, was man zu Leuten sagen soll,, die sich mit „such, stnif"' beschädigen. Er hat auch die Grausamkeit des Borgia, Lord Northcliffe, nur daß -eben meist die Hemmungen der Zeit wirken müssen. Daher inszeniert er die Pöbel verso! a u n g der in London wohnhaften Deutschen und richtet bei jeder Gelegenheit während dos Kriegs Spitzel-Büros ein. Er appelliert i m mer an die niedrigsten Instinkte: Sensationslust, Grausamkeit, Lüsternheit, Rachsucht. Weil er weiß, daß die Juden als Sicherheitsventil benutzt werden können und weil er einige von ihnen (vielleicht) fürchtet, so lenkt er den Pöbel von anderem ab und hetzt ihn aus die Juden im Osten Londons, unterstützt auch hier von „Morning Post" und „Bystander". Lord Northcliffe ist der Urheber des Antisemitismus in England. Seine Preß-Organe sind die Vernichter des Geistigen. Das feine und gute Wort weicht dem gemeinen und schlechten Riesen-Arrsruf, die Sprache wird vertrieben, vom Rotwelsch und dem spuckenden Amerikanismus; am liebsten schaltet „dis lordship" von des Geldes Gnaden den Verstand ganz aus und gibt alberne und sensationelle Photographien. Er arbeitet mir den populärsten und abgegriffensten Schlag Wörtern und peitscht und hämmert sie den Nerven und dem Gehirn der „men in tlie Street" und der „women in the ^street", die ohnehin nicht gern denken, so lange ein, bis sie nichts anderes mehr wissen. Er erzeugt ntu feinen Zeitungsmikroöen Epidemien, Psychosen. . „ . Kein Mittel ist ihm zu schlecht, kein Werkzeug zu gering und niemand zu hochum von ihm geschändet zu werden.