Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Fanny von Arnstein
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Im deutschen Reich Mahlung mit dem Bankier Nathan Adam Arnstein, der später in den Adelstand erhaben wurde, aus der preußischen Metropole nach der österreichischen verpflanzt worden, nachdem ihre ältere Schwester Cäcilie schon jahrelang zuvor den Wiener Bankier Eskeles geheiratet hatte. „Wohltätig, reizend, klug und ohne jene Mängel, die sonst als Gegengiftder Schönheit Abbruch tun" — so schildert der Dichter Alringer Frau von Arnstein. Mit Erstaunen war ihre Erscheinung in Wien begrüßt worden, wo man noch wenig von den Vorzügen an Geinesfreiheit und Bildung, welche die Inden unter Friedrich dem Großen gewonnen harten, wußte. In der Tat brachte sie viel geistige Anregung in die neue Heimat und nahm dort vermöge ihrer feltsuert Eigenschaften und glänzenden äußeren Verhältnisse bald eine eigenartig hervorragende Stellung ein. Ihr Haus bildete die Vermittlung der schroffsten Gegensätze in der Gesellschaft und war gewichtig für die Zukunft, da die von ihr ansgestreuten Ideen und Gesinnungen in den allgemeinen Strom des Wiener Gesellschaftslebens übergegangen sind. Unentwegt hat sie während ihres reichgesegneten Lebens in schönster Weise Deutschtum und Judentum verkörpert. (An Duell, das unverschuldet um ihretwillen zwischen eirrem Freihrrn von Weichs und dem Fürsten Karl Liechtenstein stattfand, in Dem dieser tödlich verwundet wurde, trug ihr die wärmste Teilnahme der Aristokratie und des Hofes eim Von unbegrenztem WOhltätigkeUssiun erfüllt, hat Frau von Arnstein, in kluger "Einsicht und unbeirrt durch trübe Erfahrungen, unzähligen Menschen eine Existenz ausgebaut und ihr Lebensglück begründet. In ihrem patriotischen Gefühl als geborene Preußin und als Oesterreicherin Hache sie Napoleon glühend und empfand alles Unglück, das die durch' ihn heraufbeschworenen Kriege über beide Staaten brachten, wie ein persönliches Leid. ' Nach dem Kriege von 1809 milderte sie die Not der Armen mit stets offenen Händen. Damals trat eine GeAllschaft hochadeliger Damen, die Prinzessinnen des kaiserlichen Har sts au der Spitze, zusammen, um Hilfe in dem allgemeinen'Neidend des Krieges zu leisten. Frau von Arnstein war die einzige Im in, der die Auszeichnung zuteil wurde, in diesen Frauenverein gen.mW zu werden; bald wurde sie dessen Seele und treibende Kraft. Art dieser Verein im Jahre 1611 in Baden bei Wien den Grundstein zu einem Hospital legte, spendete Frau von Arnstein 7000 Gulden, die sie und ihre Glauoensschwestern aufgebracht hatten. Die Siege von 1813 und 1814 erfüllten ihr Herz mit Freude. Sie gab reiche Spenden für Verwundete und Hilfsbedürftige, sie war unermüdlich in der Fürsorge um die Verwundeten, für die sie ihre herrlichen Landhäuser als Lazarette einrichten ließ. unermüdlich, Die'Nor der Witwen und Waisen der Gefallenen zu lindern. Während des Wiener Kongresses erreichte Frau von Arnstein den Gipfel des Ruhmes. Ihr Haus entfaltete den vollsten Glanz eines geistig und gesellig frohbewegten Lebens. Der diplomatische Charakter, den ihr Gatte als schwedischer Generalkonsul trug, mar solchem Glanze natürlich noch besonders förderlich. Frau von Arnstein konnte zur Zeit des Kongresses freilich nicht mehr als