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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 216

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
Die hebräische und jüdische Bücherei der Frankfurter Stadtbibliothek
Date
1918-05-01
Page
216 (sequence 2)
Language
German
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216 Im beuifd^ert Reich bewegung im Judentums die Fuldsche aber -durch ihre Bestände an Werken der rabbinischen und namentlich der Talmudliteratur hervorragend, so wurde die Sammlung der tzebraica und Judaica im Jahre 1893 durch den Ankauf der Bibliothek des 1861 verstorbenen Rabbiners Dr. NehemiaZ Brüll weiter abgerundet und damit zu einer Sammlung höheren Stils erhoben. Denn die Brüllsche Bibliothek enthalt nicht nur eine größere Anzahl bemerkenswerter jüdisch-deutscher Schriften, sondern sie erstreckt sich überhaupt aus alle Wissensgebiete der hebräischen und jüdischen Literatur. Nun erst war die Sammlung eines systematischen Ausbaues würdig und sie erhielt diesen teils durch regelmäßige umfassende Anschaffungen, sowohl von Neuheiten, wie von älteren Drucken aus den Mitteln des laufenden Bibliotheketats, teils durch den Lm Jahre 1899 erfolgten Hinzutritt der Bibliothek des vor einigen Jahren gestorbenen bekannten Gelehrten Dr. Abraham Berliner, Dozenten am Rabbiner-Seminar in Berlim Die wissenschaftliche Bedeutung dieser letzten Büchersammlung bestand, abgesehen von ihren sonstigen vielen Seltenheiten, vornehmlich in ihrer einzigartigen Sammlung hebräischer Gebetbücher aller Zeiten, aller Länder und Städte mit ihren verschiedenen Riten. ,Die Bibliothek Berliner wurde auf Anregung des verstorbenen Rabbiners Dr. Horovitz durch opferbereite Mitbürger um eine namhafte Summe erworben und .der Stadt zum Geschenk gemacht. Nachdem dann noch 1869 durch Rabbiner Br. Horovitz mit" Unterstützung mehrerer Gönner der Anstalt eine größere Sammlung interessanter Fragmente aus der Genisa der Esra und der Karäer-Synagoge bei Kairo und 1900 durch ihren unermüdlichen' Förderer Eh. L. Hall garten eine solche synagogaler Musikliteratur als Geschenk überwiesen worden war, erhielt die Hebraica und Judaiea der Frankfurter Stadtbibliothek im. Jahre 1901 einen weiteren außerordentlich wertvollen Zuwachs durch die Wilhelm Carl von Rothschildsche Stiftung seitens der Freifrau Mathilde von Rothschild, die der Stadtbibliothek erlaubte, aus der Büchersammlung ihres 19V gestorbenen Gemahls alle zur Vervollständigung ihrer Bestände geeigneten Werke auszusuchen. Das Ergebnis dieser Auswahl waren 23 teilweise auf Peraament gedruckte Inkunabeln und eine umfangreiche Kollektion von Werken der HebraiM: Biöelausgaben, Ritualien, jüdisch-deutsche Schriften, darunter viele Cimelien, alles aber in tadellosen, teilweise sogar in selten schönen Exemplaren. Nun gelangen wir zu der bedeutendsten Erwerbung der Frankfurter Stadtbibliothek auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums. Im Mai 1603 konnte sie die bisher in München befindliche Abraham Merzbachersche Büchersammlung ihr eigen nennen, eine Sammlung, die in ihrer Bedeutung nur noch von dem britischen Museum und der Bodleigna in Oxford übertrofsen wird. Wiederum war es dem Opfersinn der Frankfurter Bürger zu danken, daß die Merzbachersche Sammlung der Frankfurter Stadtbibliothek einverleibt werden konnte. Was den hohen Wert dieser Erwerbung ausmacht, ist eine einzigartige Sammlung von Talmuddrucken und Responsenwerken. Diese beiden Zweige sind faft erschöpfend vertreten. Einige der ersten Talmuddrucke sind die einzigen bekannten Exemplare; sie dienten dem verdienten Münchener Gelehrten, dem verstorbenen Rabinowitz zur Bearbeitung seiner kritischen Talmudausgabe. Dieser war auch der Sammler der fast 6060 Bände umfassenden Bibliothek. Ein hervorragender Platz gebührt den 156 Handschriften, von denen etwa 20 auf Pergament geschrieben sind. Von den mit Miniaturen versehenen Manuskripten sei hier der Maimonides-Kodex aus dem 13. Jahrhundert genannt, der zu den besterhaltenen illuminierten Handschriften gezählt werden kann. Eine Bibelhandschrift aus dem Anfang des 13.' Jahrhunderts, die schon einen Verkaufsvermerk aus dem Jahre 1365 trägt.

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