Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Judenmission
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Im deutschen Reich entscheiden. Eine alte Sage weiß von abgefeimten Jndustrierittern zu erzählen, die sich mehrmals in verschiedenen Städten von den Heilswahrheiten des Christentums gegen klingende Belohnung überzeugen ließen, und was die Gesinnungen betrifft, so wird die Lage am besten durch den alten Witz von dem Juden beleuchtet, der am Nachmittag getauft wird. Er wird dabei lange beim Pastor aufgehalten, und schließlich bricht er in den erschütternden Klageruf aus: „Hab' ich doch richtig beinahe vergessen — Minche zu dawnen!" (Das vorgeschriebene Nachmiltagsgebet zu sprechen.) Besonders komisch mutete die Judenmission bisher in ihren schriftstellerischen Leistungen an, die auf gebildete Menschen ebenso abstoßend wirkten, wie sie zum Lachen reizten. In einem süßlichen Traktatchenstil, der bei Juden ganz gewiß verfehlt ist, wiesen sie in Anlehnung an ältere Werke umständlich nach, daß Jesus der vom Alten Testament verheißene Messias sei. Um etwas Abwechslung hineinzubringen, werden auch die Freuden des Himmels, in den der Eintritt nur nach erfolgter Taufe erfolgen kann, lebhaft ausgemalt, während die Schilderung des Leidens der in der Hölle des Unglaubens schmachtenden Heidßn und Juden Heulen und Zähneklappern erregen sollte. Es bewies mindestens einen Mangel an Geschmack und eine hervorragende Unkenntnis der Psyche des modernen Juden, wenn man ihm aus diese Weise das Christentum schmackhaft machen wollte, und das völlige Scheitern dieses Systems dürfte keinem seiner einsichtigen Förderer unerwartet gekommen sein. Einer aber, der das Peinliche und Erfolglose der bisherigen Traktätchen empfand, hat den Versuch gemacht, auf anderem Wege etwas zu erreichen. Pastor Ernst Schaeffer -Berlin hat einen „LehrgangfürdenReligionsunterricht jüdischer Taufbewerber" verfaßt, dem er den bezeichnenden Teil gibt: „Christus ist des Gesetzes Ende". Auf vierhundert Seiten behandelt er das Wesen der Religion, die Bibel als Quelle des Lebens Jesu, das Leben und die Lehre Jesu, um mit einer kurzen Darstellung der Kirchengefchichte und einer etwas ausführlicheren der christlichen Lehre zu schließen. Dieser Leitfaden, der ein wenig an die berühmten Schnelllehrmethoden für fremde Sprachen erinnert, verrät nun eine gewisse Einsicht in die Denkweise eines modernen Menschen. Vielleicht spricht aus ihm auch das Bewußtsein, daß die Taufjuden in den seltensten Fällen zu den religiös empfänglichen oder auch nur interessierten Seelen gehören. So wird zunächst einmal das Wunder trotz seiner Stellung im christlichen Dogma sehr vorsichtig und zurückhaltend behandelt. Besonders in dem Kapitel über den Teufel und die Hölle waltet der Geist eines möglichsten Entgegenkommens gegen skeptische und hastige Welt-