Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
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Veranstaltungen 171 ethische Beeinflussung ihrer Mitglieder, Die Kenntnis der Hebräischen Sprache, der Geschichte des jüdischen Volkes, des jüdischen Lebens der Gegenwart in Deutschland und bsn außerdeutschen Ländern müßten gepflegt werden. Ferner forderte die VorrrageudL die Errichtung gemeinsamer Bibliotheken, Herausgabe einer jüdischen Bibliographie, Schaffung jüdischer Volkshochschulen und Begründung einer jüdischen Akademie. Allen gemeinsam sei auch der Kampf gegen Laue und Abtrünnige, gegen die Mischehe. Wichtiger noch . fei die Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgefühls. Auf deutsch-jüdischem Gebiet erwachse ein großes Arbeitsfeld in der sozialen Betätigung. Die Jugendvereine müßten Jugendpflege betreiben, sie müßten sich der Beeinflussung der aus der Volksschule entlassenen Jugend annehmen. Von den JugcndverbLnden sollten gemeinsame Wanderorganisationen auf allgemein jüdischer Basis geschaffen werden. Eine weitere gemeinsame Arbeit sei die B e -! ö m p f n n g des Antisemitismus. Keine Partei könne mehr der anderen die deutsche Gesinnung adsprecheu, dis eine unerläßliche Vorbedingung für den Kampf gegen den Antisemitismus sei. I)r. LöwenstLin als Vertreter der zionistischen und nationaljüdischen Jugendvereine zog einen scharfen Trennungsstrich zwischen seine Anschauungen und die der Vortragenden. Aus feinen aggressiven negativen Ausführungen war nur der eine positive herauszuschälen: der Vorschlag, einen jüdischen I u a t n b t a o äruuberufen. Rechtsanwalt Dr. Stern -Berlin, der für die Arbeitsgemeinschaft der jüdischliberalen Jugendvereine sprach, hielt nach den Ausführungen des zionistischen Vorredners eine Verständigung für unmöglich!. Auch Herr R o s e n h e i m -Frankfurt a. M. als Vertreter der Agudas Iisroel glaubte nicht an die Möglichkeit eine?' Verständigungsgemeinschaft: es dürfe keine Vermischung der Grundsätze eintreten; Me Jugend solle ohne Kompromisse ihren Weg gehen. Landesraböiner Dr. Riege r-Braunschweig sprach gegen die Einberufung eines Jugendtages. Dr. Martin B u ö e t wandte sich gegen die Erklärung von Fr!. Dr. Berliner, daß ihr die deutsche Gesinnung über dem Judentum stehe. Nicht als Zionist, aber als Jude, der an die Zukunft des Judentums glaubt, erklärt er, daß eine fruchtbringende gemeinsame Arbeit für eins jüdische Jugendbewegung nur geleistet werden könne, wenn man das Primat des Judentums anerkenne. Rabbiner Dr. Goldmann -Leipzig betonte, aus Grund der Ausführungen der Vorredner bleibe so wenig Gemeinschaftsarbeit übrig, daß man den Versuch einer Berständigungsgemeinschaft als gescheitert ansehen müsse. Ein Bekenntnis zum Deutschtum, frei von Chauvinismus, sei unbedingt erforderlich. - Es sprachen noch S t e i nch a t b -Magdeburg, Glaser -Berlin, der erklärte, daß auch die Zionisten an der Bekämpfung des Antisemitismus teilnehmen wollen, Armeeraböiner Dt. Salzberger, Br. Goldf d) m t b t -Berlin. — In seinem Schlußwort lehnte De. Apfel den Vorschlag, einen Ausschuß zur formalen Vorbereitung der VerständigungsgLMinschaft einzusetzen, als ein „Begräbnis erster Klasse" ab. Die Berständigungskonferenz ist hiernach resultatlos verlaufen. Mit Ausnahme von zionistischen Heißspornen ging wohl jeder mit dem Eindruck aus der Versammlung, daß es so nicht weiteraehe. Der Verband der jüdischen I u g e n b t> e x e i ne Deutschlands halt am 9. Mai (tzimmelfahrtstag) in Berlin eine Vertreter- Versammlung ab.