Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Die Schweinewirtschaft in der Papierversorgung
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316876-2316880-2353897--28503-2353981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 Im deutschen Reich Es fft eigenartig und doch wieder durchaus naheliegend, daß die Antisemiten, die großen wie die kleinen, eine fast krankhafte Abneigung gegen die Wahrheit haben. Der „Miesbacher Anzeiger" hat auch mit seinen anderen Angaben der Wahrheit Gewalt angetan. Wie die Kriegswirtschaftsstelle für das Deutsche Zeitungsgewerbe in einer öffentlichen Erklärung feststellt, ist das Matt wegen seines Papiers überhaupt nicht in Verlegenheit gewesen; es bestand auch keine Gefahr, daß das Papier nicht rechtzeitig eintreffen würde; ferner und die Behauptungen des Blattes „über die großen Vorräte in der Papierfabrik am Baum und den angeblich mit der K r i e g s w i r t s ch a f t s st e 11 e geführten S -ch r i f t wel ch se l n nwah y." Josef Popper-Lynkeus. Josef Popper ist jüngst 80 Jahre alt geworden- Er hat sich erst spät Anerkennung errungen, doch steht er noch immer recht allein; ein Eigenbrötler, ein stiller, zäher Gelehrter, kein Gemeinschastsmensch. Josef Popper, in Kolin in Böhmen geboren, ist im Ghetto aufgewachsen und hatte zunächst die GhetLoschule besucht. Dann ging er in die Koliner Kreishauptschule, besuchte die Prager deutsche Oöerrealschule und wandte sich schließlich im Prager Polytechnikum der Land- und Wasserbaukunde und Baumechanik zu. Eine Assistentenstelle in diesem Polytechnikum wurde ihm, dem Juden, auf Grund des Konkordats verweigert. Er drückte sich dann in Bureaus der damals französischen Staats-Eisenbahngesellschaft im Bahnhof Prag herum. Krankheit zwang ihn, auch diese Stelle aufzugeben. Popper hatte nun schwer mit materiellen Sorgen zu kämpfen. Das Flugproblem hatte ihn schon seit früher Jugend beschäft tigt; gern hätte er praktische Versuche gemacht, wenn er nur die nötigen Geldmittel gehabt oder sie hätte auftreiben können. Dagegen war es ihm vergönnt, bahnbrechend als Entdecker der elekirischen Kraftübertragung zu wirken. Die Früchte allerdings erntete er nicht; aber daß die Entdeckung von ihm als erstem gemacht worden war, ist durch versiegeltes Schreiben, das er 1862 der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien überreicht hatte, festgestellt. Erst zwanzig Jahre später hat diese Erfindung von Deutschland aus die ganze Welt erobert. —- Das Lebenswerk dieses Technikers lag nach der menschlichen Seite auf dem Gebiete der sozialen Ethik- Sein Hauptwerk ist die „Allgemeine Nährfrage als Lösung der. sozialen Frage", ein Werk, das 1912 erschienen ist, an dem er Jahrzehnte gearbeitet hat, nachdem er bereits vierunddreißig Jahre vorher diese.Idee in einem Werk „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben" in die Debatte geworfen hatte. Auch gegen den Antisemitismus hatte sich der Gelehrte in einer Schrift „Fürst Bismarck und der Antisemitismus" gewandt. Die Vielseitigkeit dieses ungewöhnlichen Mannes zeigte.sich auch darin, daß er sogar als Dichter hervorgetreten ist, allerdings nur einmal in einem Band, der den eigenartigen und charakteri-