Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Die Schweinewirtschaft in der Papierversorgung
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 163 (sequence 1)
- Language
- German
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Die SchWeinewirtlchafL irr der Papierversorgung 16Z „Die Schweirrewirtschaft irr der Papierversorg«ng." Unter dieser derben Spitzmarke hat, wie wir in unserem Marz- Heft mitgeteilt haben, der „M i e s b a ch e r A n z t i g e t" in grober Weile darüber geschimpft, daß ihm, Obgleich er in der Nähe einer der LeistunassLhigften Papierfabriken, der Papierfabrik am Baum, erscheine, nicht genügend Papier geliefert werde; er werde in Bälde wegen Papierrnangels den Zeitungsbetrieb einstellen müssen. Schuld daran seien die Kriegswirtschaftsstelle für das Zeitungsgewerbe in Berlin, der Verband Deutscher Druckpapierfabriken in Berlindie Schweinewirtschaft in den Berliner Zentralpalästen, der ganze Faultierbetrieb, die RiesenschlaMperei, die tropenhaft ins Ungeheuere wachse. Statt Papier erhalte man frech-patzige AnL- Worten aus Berlin, und man stehe vor der Einstellung des Betriebes weil es den Berliner kriegsbefreiten Judenjünglingen so gefalle. — Diese bazuwarischen Grobheiten nebst dem aufreizenden antisemitischen Ausfall am Schluß sind von mehreren Blättern, auch von Fachzeitungen des Drunereigewerbes, abgedruckt worden. Wir hatten im vorigen Heft versprochen, auf die Sache zurückzukommen. Der CenLralverein war nämlich damals dabei, jene antisemitische Beschuldigung auf ihre Berechtigung hin zu prüfen. Wir können nunmehr Mitteilen, daß die Kriegswirt- IchüfLsstelle für das Deutsche Zeitungsgewerbe etwa sechshundert Personen beschäftigt, daß unter ihnen kein einziger „kriegsbefreiLer Iudenjüng! ing" sitzt, daß alle Angestellten Christen sind, mit Ausnahme von zwei weiblichen Schreibmaschinenkräften! Die Ortsgruppe München des Centralverems hat dem „Miesbacher Anzeiger" und anderen Blättern, di§ dis antisemitische Verhetzung nachgedruckt hatten, eine entsprechende Berichtigung geschickt. Der „Miesbacher Anzeiger", der zugleich Amtsblatt ist, hat sich nicht daraus beschränkt, die Berichtigung wiederzugeben, sondern, anstatt sich zu entschuldigen, unter der Ueberschrist „Wir stellen fest" noch einige judengegnerische Bemerkungen angehängt. (Nr. 73 vom 27. März.) So schrieb er im Anschluß an die Berichtigung, daß ja die meisten Unterschriften der Briefe von Kriegsgesellschaften auf „stein", „duft", „heim", „ihn!" enden, und auch die Bornamen auf jüdische Direktoren schließen lassen. Aber nicht immer verrate der Name den Semiten; die Juden traten auch unter deutschen Namen auf und verstellen sich. Als Beweis hierfür läßt das Miesbacher Blatt — ohne zu verraten, daß es die Geschichte dem antisemitischen „Hammer" entnommen hat. was eine Unredlichkeit gegenüber dem Urheber ist — die jüdische Wotan-Glühbirne aufflammen. An anderer Stelle d§A Heftes wird dieses neueste antisemitische Märchen bekanntgegeben. Der „Miesbacher Anzeiger" müßte also, wenn er ehrlich sein wollte, eine neue Notiz schreiben: „Wir stellen fest", daß wir wieder einmal eine Lüge über die Juden verbreitet haben.