Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Zu Hermann Cohens Gedächtnis
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 155 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau 155 vom Standpunkt der über dem Tage stehenden Wahrheit aus erleuchtet. Me großen Gegensätze, die das Leben des modernen Judentums erfüllten, hat er in ihrer letzten Tiefe erwogen und mit dem Ernst seines jüdischen Bewußtseins den Sorgen der jüdischen Zukunst nachgedacht. So ist er der jüdischen Gesamt^ heit Führer und Wegweiser geworden. Sie wird des hohen Besitzes, der ihr geschenkt war, stets in Dankbarkeit gedenken, wird das Erbe, das er ihr hinterlassen, in Treue hüten. Hermann Cohen, dessen Name in der Geschichte der Philosophie wie in der des deutschen Geistes nicht vergehen wird, wird im Judentum für alle Zeiten weiterleben. ANychiM. Im Mittelpunkte alles Denkens steht die große Schlacht auf französischem Boden. Seit einigen Wochen schlägt im Westen der deutsche Hammer auf die widerspenstigen Köpfe der Engländer, Franzosen und Amerikaner. Die gegnerischen Regierungen sind gezwungen, auf diese Sprache zu hören, nachdem sie gegen die Friedenstöne mit herrischer Gebärde sich taub gestellt hatten. Sie vertrauten aus ihre Millionenheers, ihre Munitionsanhäufungen, ihre uneinnehmbaren Stellungen, auf den amerikanischen Zuwachs. Sie wußten, daß nach Ablehnung unserer Friedensbereitschafi der deutsche Gesamtstoß einschließlich der im Osten freigewordenen Heere gegen sie geführt werden wird; sie wußten aber auch, daß sie bei einem Verständigungsfrieden aus ihre weitgesteckten Eroberungsziele verzichten müßten. Und so ließen sie es, vielleicht mit innerer Unruhe, aber ohne Herz und Gewissen, daraus ankommeu. Sehenden Auges, in Kenntnis der kommenden blutigen Wochen waren sie bereit, Millionen von Menschen hüben und drüben ins Verderben werfen zu lassen, ihre Verantwortung mit Toten und Krüppeln zu belasten. Der deutsche Hammer schlug mit solcher Wucht, daß er die Feinde betäubte und selbst in Deutschland, das doch Hindenburg und seinem Volksheer alles zutraut, bei denen, die die Schwierigkeiten des Riesenangriffs, die raffinierten technischen Hilfsmittel der Kriegsmaschinerie kannten, beglückende Ueberraschung aufstieg. Und wieder rauschte jene Stimmung bei uns empor, die wir von den Augusttagen 1914 in Erinnerung haben, jene Stimmung, die den Krieg in der poetischen Gestalt sah, die Kleist in seiner «Penthesilea" dem jungen kriegerischen Achill verlieh: Seht! Steigt dort über jenes Berges Rücken Ein Haupt nicht, ein bewaffnetes, empor? Ein Helm, von Federbüschen überschattet?