Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Zu Hermann Cohens Gedächtnis
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 150 (sequence 2)
- Language
- German
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160 Zm deutschen Reich wußtsein aus seine letzten erzeugenden Elemente zurückführte, erschloß sich ihm ein Verständnis der jüdischen Frömmigkeit von ihren innersten Motiven aus, erwies sie sich ihm als der reinste ursprünglichste Ausdruck des sittlichen und religiösen Bewußtseins der Menschheit. So muß auch dieses Work dankbarer Erinnerung an den Heimgegangenen Meister seinen Ausgangspunkt in der Sache nehmen, für die er gelebt hat und an der auch seine Persönlichkeit zu ihrer edlen Größe erwachsen ist. Die unnachgiebige Strenge, in der Cohens wissenschaftliche Arbeit den Gedanken der Philosophie als Wissenschaft zu verwirklichen unternahm, zieht dem Versuch, seine wissenschaftliche Leistung auch denen, die den Problemen der Philosophie ferner stehen, deutlich zu machen, freilich seine engumschriebenen Grenzen. Als der Erneuerer der Kantischen Philosophie lebt Cohen vor allem in dem Bewußtsein unserer Zeit. Unter den Denkern, die neben und zum Teil vor ihm die deutsche Philosophie auf Kant Zurückgewiesen haben, verleiht ihm seine überragende Bedeutung aber erst der Sinn, in dem er die Rückkehr zu Kant begriffen hat. Nicht in den Resultaten der Kantischen Philosophie, sondern in der Methode des Kantischen Philosophierens begriff er das Wesentliche und Bleibende an Kant. Und in der siegreichen Kraft, mit der bereits seine ersten philosophischen Arbeiten die Methode Kants Zur Klarheit brachten und als die wahrhafte Methode philosophischer Forschung erwiesen, lag die entscheidende Wirkung begründet, die von diesen Arbeiten ausging und die weitere Entwicklung der deutschen Philosophie bestimmte. Die Philosophie verdankt dieser Wiederentdeckung der Kantischen Methodik nichts Gelinderes als den Nachweis ihrer wissenschaftlichen Selbständigkeit und damit ihres Rechtes als eigene Wissenschaft. Die naturalistische Denkweise, die damals das deutsche Denken beherrschte, war im Begriff, die Philosophie aufzulösen und die Beantwortung ihrer Fragen den Erfahrungswissenschaften zu übertragen, die für sie die einzigen legitimen Wissenschaften waren. Auch die Erkenntnislehre, die auf Kant zurückgreifend der Philosophie das Problem der Erkenntnis vorzubehalten suchte, konnte dieser Entwicklung keinen Einhalt tun, weil sie in der Auffassung des Erkenntnisproblems in den Vorurteilen des Naturalismus besangen blieb. Die Erkenntnis auf ihre letzen Bedingungen zurückzuführen, hieß ihr, die psychologischen und physiologischen Gesetzmäßigkeiten ausdecken, welche den Prozeß des Erkennens beherrschen, Gesetzmäßigkeiten, die offenbar nur der psychologischen und physiologischen Erfahrung zugänglich sind. Cohen überwand den philosophischen Naturalismus, indem er von der Frage nach den Ursachen und Bedingungen des Prozesses der Erkenntnis die nach den Voraus-