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Im deutschen Reich · 1918-04-01 · Heft 4 (April 1918) · p. 149

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 4 (April 1918)
Article
Gemeinbürgschaft
Date
1918-04-01
Page
149 (sequence 5)
Language
German
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Zu Herrairnn Cshens GedächtmS 149 Wenn das Herrn Fritz und de» Seine» allzu verwickelt Vorkommen sollte, werden wir uns nicht wundern. Leute seines Schlages sehen die Welt sehr einfach, etwa nach dem Worte Wilhelm Büschs: „Man ist schwarz, und damit gut." Wenn „man" Jude ist, kann man nach ihrer Auffaffung nichts anderes sein. Zum Glück für die Welt kommt es sehr wenig darauf an, was Leute dieses Schlages denken und wollen — und wird in Zukunst noch viel weniger darauf ankommem Diese komplizierte Welt wird nicht von unkmnplizierten Menschen gelenkt. A« Hermann Cohens Gedächtnis Von Julius Gurtmann-Breslau. In Hermann Cohen., der am 4. April 1918 von uns gegangen ist, hat die philosophische Wissenschaft einen Denker von originaler Kraft, das deutsche Geistesleben eine seiner edelsten, freiesten und stärksten Persönlichkeiten, das Judentum den gedankentiefen Deuter seines religiösen Gehalts, den Führer im Kampfe um sein weltgeschichtliches Recht verloren. Die Lebensarbeit Hermann Cohens hat ungeteilt der Wissenschaft gehört. Aber er diente der Wissenschaft in jenem höchsten Sinne, in dem sie nicht selbstgenügsame Fachgelehrsamkeit, sondern schöpferische Lebensmacht ist. Wie kau»; ein anderer Denker unserer Tage hat er durch seine Lebensarbeit den Beruf der wissenschaftlichen Philosophie, die er in der höchsten Strenge ihres Begriffs verstand, erwiesen, auch die Kulturaufgabe der Philosophie, die Ausgabe der Philosophie als Lebensanschauung aus sich Zu nehmen. Die Philosophie war ihm nur um so mehr Selbstverständigung des Geistes über seine höchsten Anliegen, je entschlossener sie daraus verzichtete, die sogenannten Rätsel der Welt lösen und deuten zu wollen. Er war als Denker zugleich Bekenner, wie er als Bekenner stets der Denker geblieben ist. Aus solcher philosophischen Lebensgesinnung' erwuchs seine Arbeit an der deutschen Kultur wie die amJudentum. Von denGrundgewißheiten des philosophischen Idealismus aus unternahm er es, den Gedanken der Humanität, wie ihn die klassische Zeit deutscher Bildung entwickelt hatte, zu rechtfertigen, 'um ihn für die deutsche Gegenwart in allen konkreten Fragen ihres Lebens fruchtbar zu machen. Auch seine Arbeit für das Judentum gehört seinem philosophischen Lebenswerk an. Im Ausbau der philosophischen Ethik erczab sich ihm zugleich die bleibende Wahrheit der jüdischen Sittlichkeit. Indem er das sittliche Be-

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