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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 125

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
Festversammlung
Date
1918-03-01
Page
125 (sequence 3)
Language
German
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Festversammlung 125 Der Antisemitismus macht sich, trotz dem Burgfrieden, außerordentlich bemerkbar. Vorwürfe des Kriegswuchers, der Drückebergerei werden gegen uns erhoben; als ob Kriegswucher und Drückebergerei das Vorrecht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft sei. Deutschland wird nach dem Kriege alle Kräfte brauchen. Die Regierung, die vorurteilsloser geworden ist, würde unverantwortlich handeln, wenn sie sich die Kräfte der Juden nicht zunutze machen wollte. Unsere Herzen und Gedanken sind da, wo Deutschlands Fahnen wehen. Unsere Freiheit wollen wir uns selbst erkämpfen; wir würden verdienen, Knechte zu sein, wenn wir die Freiheit von außerhalb aus den Händen Wilsons oder Lloyd Georges empfangen wollten. (Lebhafte Zustimmung.) Mit dem Wunsche, daß unserem Vaterland ein baldiger, ehrenvoller, allgemeiner Frieden beschieden sein möge, schloß der Redner unter langanhaltendem Beifall und Händeklatschen seine gehaltvollen Ausführungen. Der zweite Festredner, Rabbiner Professor Dr. Werner-München, sprach vom religiösen Standpunkt aus über das Thema „Innerer Fried e". Er dankte zunächst dem Vorredner, daß er die mühevolle Arbeit, die der Vorsitz im Centralverein mit sich bringe, nach dem Tode des unvergeßlichen Horwitz übernommen habe. Ideales lasse sich nicht wägen und messen, und so sei es auch nicht möglich, alles das zu messen, wägen und aufzuzählen, was der Centralverein während seines Bestehens getan habe. Sein hohes Ziel sei: Friede zwischen den Konfessionen, zwischen Judentum und Christentum, zwischen Judentum und Deutschtum, zwischen Judentum und Menschentum. Die innere Ruhe des Gewissens gegenüber den Anschuldigungen unserer Feinde hat zur Gründung des Centralvereins geführt. Wir sind den Christen, die für uns eingetreten sind, den Parteien, die unsere religiösen Rechte verteidigt haben, dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus zu Dank verpflichtet; aber in erster Reihe haben die Juden selber ihr Recht und ihre Religion zu verteidigen. Unsere heilige Schrift ist das älteste Dokument des Menschenrechts. Sie hat schon das Recht des Sklaven entdeckt. Sie ist ein leuchtendes Vorbild. Nun wird häufig gesagt, man greife ja nicht die jüdische Religion an. Aber dem Juden, der seine Religion verläßt, stehen die sonst verschlossenen Tore offen. Und ein Fritsch, der unseren Gott lästerte, wurde aus Grund eines wissenschaftlichen Gutachtens frei gesprochen! Gegen den Talmud, dessen Geist rein und lauter ist, werden vergiftende Angriffe gerichtet. Wer um äußerer Vorteile willen aus dem Judentum austritt, muß von uns bekämpft werden. Er schädigt nicht nur das Judentum, sondern erniedrigt auch die neue Religionsgemeinschaft, der er ohne innere Anteilnahme beitritt. Treue zur Religion ist das erste Erfordernis, Einigkeit im Judentum und Liebe zum Menschentum die nächsten Erfordernisse, um schließlich zum Endziel zu gelangen: Toleranz im wahren Sinne des Wortes, nämlich: Anerkennung des Rechtes des anderen; Versöhnung und Verständigung zwischen den Religionsbekenntnissen. Der Centralverein ist allmählich, unbewußt, auch ein Erziehungsverein geworden. In dem Namen „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" prägen sich die wertvollsten Seiten der deutschen Juden aus. Für den jüdischen Glauben sind unsere Väter in den Tod gegangen, für ihr Deutschtum gehen unsere Söhne in den Tod. Treue zum Deutschtum bis zum Tode, Treuezum Judentum bis zum Tode, dann sind wir ein Segen unserem geliebten Vaterlande! . Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, dankte Geheimrat F st ch s dem Redner im Namen des Centralvereins und sprach die Hoffnung aus, daß bei dem Jubiläum des 50 jährigen Bestehens die Teilnehmer kein Verständnis mehr haben werden für die Kämpfe, die uns jetzt bewegen.

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