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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 117

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
Sammlung der Kräfte
Date
1918-03-01
Page
117 (sequence 2)
Language
German
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Sammlung der Kräfte 117 ihnen den Mut. Gegenüber diesen betrübenden Tatsachen tut eines not: Sammlung der Kräfte (in erster Linie der zurückgekehrten Kriegsteilnehmer). Denn wenn die einzelnen gesammelt sind zu gemeinsamer Jnteressenarbeit, dann wird keiner mehr behaupten können, es fehle ihm an Gelegenheit oder Anregung. Gleichgesinnte werden sich zusammenfinden, von dem jüdischen Leben draußen im Felde sich gegenseitig berichten, über die gewonnenen Eindrücke sprechen, über das, was sie in die Zeit des Friedens hinüberretten wollen an Gutem und Bewährtem. Und wo man so die Kriegsteilnehmer mit gutem Beispiel vorangehen steht, werden auch die anderen, die scheinbar Gleichgültigen, im Laufe der Zeit der Sache nähertreten. Auf welcher Grundlage aber, so wird man fragen, soll die Sammlung der Kräfte vor sich gehen? Und darauf gibt es wohl nur eine Antwort: Auf dem Boden des Centralvereins. Denn welche religiöse oder politische jüdische Richtung könnte sich nicht mit den Bestrebungen des Centralvereins einverstanden erklären? Mit Ausnahme der Zionisten. Aber diese sind ja bereits unter einer Fahne geeint. Jene anderen aber gilt es zu sammeln, die mit gutem Vorsatze in die Heimat zurückgekehrt sind, aber, aus sich allein angewiesen, diesen Vorsatz nicht zur Ausführung bringen können. Als Mitglieder eines Verbandes wie des Centralvereins werden sie wertvolle Arbeit fürs Ganze leisten können. Diese Männer haben überdies für ihr Vaterland - gestritten, Seite an Seite mit Andersgläubigen. Mit eigener Faust, vielleicht mit eigenem Blute haben sie sich ihr Vaterland erkämpft. Sie haben ihre Pflicht als deutsche Staatsbürger voll getan. Sollte es Leute geben,'die sie nicht als deutsche Staatsbürger anerkennen oder ihnen ihre Rechte als Staatsbürger beschneiden wollen? Die im Gesetz verbürgte Gleichberechtigung zur Tat zu machen, ist ja eine der ersten Ausgaben des Centralvereins. So fallen also auch in diesem Punkte die Bestrebungen der zurückgekehrten Kriegsteilnehmer mit denen des Centralvereins zusammen. Wo der C. V. bereits seine Niederlassungen hat, wird es ein leichtes sein, die aus dem Felde Zurückgekehrten als Mitglieder zu gewinnen. Bewußt oder unbewußt stehen sie ja schon auf dem Boden des C. V. Wie aber da, wo der C. V. noch keine Anhänger hat? Dort werden eben gerade die Kriegsteilnehmer geeignet und gewillt sein, aus Anregung des C. ,B. Ortsgruppen zu gründen. Noch auf einem anderen Gebiete gilt es Kräfte zu sammeln: in den jüdischen akademischen Kreisen. Diejenigen, die einerK.-C.-Verbindung angehören, stehen ja bereits auf dem Boden des Centralvereins. Aber nach dem Kriege werden viele Studenten, insbesondere die jüngeren, die ihr Studium erst beginnen oder kurz zuvor begonnen haben, es sich vielleicht nicht leisten können, einer Verbindung beizutreten. Man hat durch den Krieg Jahre verloren, viele sind aus 'ihrem Studium herausgerissen worden; man hat keine Zeit mehr zu verlieren. Jene Studenten nun, die einer K.-C.-Verbindung nicht beitreten wollen, dürfen deshalb nicht für den Centralverein verloren sein. Ja, ihm sollen und müssen sie beitreten. Die Interessen, für die der Centralverein eintritt, sind ja auch ihre Jntereffen, seine Grundsätze auch ihre. Ueberblicken sie die eine oder andere akademische Laufbahn, so sehen sie ja, daß noch mancher Schritt getan werden muß, bis die im Gesetz verbürgte Gleichberechtigung' zur Tatsache wird. Aufgabe des Centralvereins wird es sein, sich all diese Kräfte zu gewinnen und nutzbar zu machen. Und jetzt schon muß mit der Sammlung der Kräfte begonnen werden. So wird ein fester Grund geschaffen,, aus dem dann die Friedensarbeit weiterbauen und das Werk vollenden kann, wenn die' Krieger zurückgekehrt sind. Von der Sammlung all dieser Kräfte verspreche ich mir nicht nur einen Aufschwung des. Centralvereins, sondern auch, was mir als schönstes Ziel vorschwebt, eine Erfüllung unseres deutschen Judentums mit neuer Lebenskraft.

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