Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- Mehr Aufklärung!
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 115 (sequence 4)
- Language
- German
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Mehr Aufklärung 115 Talmud spricht und sicherlich noch ihre alte Stellung behaupten wird, wenn der Chassidismus längst überwunden ist. Freilich, jüdischer Geist muß in solchen Uebersetzungen erhalten bleiben, so rein als irgend möglich, denn gerade den jüdischen Geist wollen doch die Leser verstehen lernen, die solche Bücher zur Hand nehmen. Die von Weinberg vor Jahren bei Hendel herausgegebenen deutschen Verse, die auf einzelnen talmüdischen Sätzen beruhen und als „Ewige Weisheit" sich genau so lesen wie etwa Sinnsprüche des alten Friedrich Logau, sind daher in unserem Sinne als geringwertig anzusehen, mag man auch an vielen geistreichen Einfällen des Buches Gefallen finden. Nein: reinster jüdischer Geist in deutscher Sprache und in zeitgemäßen billigen Ausgaben deutscher unparteiischer Verleger, ein solches Unternehmen allein kann zu vollem Erfolge führen. Wohl ist bekannt, wie große Schwierigkeiten diesem Vorhaben entgegenstehen, wie spröde und gleichzeitig unantastbar heilig der Stoff, der hier bearbeitet werden soll. Aber die Wissenschaft des Judentums hat in Deutschland so hervorragende Vertreter, daß sie uns einen gewaltigen Schritt vorwärts führen könnten, sobald sie ihre Schaffenskraft einmal dieser Aufgabe widmen. Hier konnte nur von junger jüdischer Seite eine Anregung gegeben werden. Es wäre schon ein guter Anfang, wenn die berufenen Kreise öffentlich zu ihnen Stellung nähmen. * Der Centralverein plant zur allgemeinen Aufklärung die Herausgabe eines Handbuches der Juden. Was der geschätzte Einsender aus dem Felde anregt, steht allerdings auf einem anderen und begrenzterem Boden; das Ziel beider aber ist das gleiche. Wir unterbreiten deshalb die Anregung der Oeffentlichkeit. Wenn der Verfasser jedoch den Talmud bei Reclam in 20 - P f e n - nig-Heftchen erscheinen lassen will, so hat er sich wohl, obgleich er selber indirekt die Undurchführbarkeit des Planes streift, nicht klargemacht, was das bedeutet. Nach oberflächlicher Schätzung würde eine solche Uebersetzung etwa 5—6000 Reclam-Bändchen füllen; will man außerdetn noch die dürftigsten Erklärungen zum Talmud anfügen, so würde die Zahl der Hefte noch weiter anschwellen. Die zweite Frage wäre, wer sich diese Tausende von Bändchen im Zusammenhang kaufen würde; denn dem Verfasser liegt doch wohl vor allen Dingen daran, daß die Uebersetzung billig und darum eine allgemeine Waffe gegen die Gegner werden könnte. Im übrigen gibt es aber bereits eine tadellose Talmudübersetzung von Lazarus Goldschmidt, die bei Otto Harassowitz in Leipzig erschienen ist. Von den zwölf vornehm ausgestatteten, mit hebräischem Text, Varianten und erklärenden Noten versehenen Bänden fehlen nur noch eineinhalb, die jedoch schon völlig druckreif sind und nur des Krieges wegen, noch nicht erscheinen konnten. Diese Ausgabe ist allerdings sehr teuer und nur in beschränkter Anzahl gedruckt worden. Aber man kann doch jederzeit bei etwaigen Angriffen auf sie zurückgreifen, und sie zeigt, daß der Talmud das Licht der O'effentlichkeit nicht zu scheuen hat. Der Wunsch des Verfassers auf populäre Ausgaben.könnte sich nur auf Auszüge aus dem Talmud beziehen, die dann freilich nicht etwa einige ausgewählte Sätze, sondern ganze zusammenhängende Teile nebst Varianten und Erklärungen enthalten müßte, damit nicht der Vorwurf erhoben werden könnte, man habe tendenziös ausgewählt. Die Schriftleitung.