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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 112

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-03-01
Page
112 (sequence 7)
Language
German
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112 Im deutschen Reich lösten Randstaaten den Juden durch Verfassungen Gleichberechtigung eingeräumt wird, so werden, wie wir fürchten, die Kämpfe darum doch nicht aufhören — nämlich die Kämpfe um die wirkliche Durchführung der erlangten Rechte. Haben doch sogar wir deutschen Juden noch immer darum zu kämpfen, daß verfassungsmäßige Rechte uns völlig zuteil werden, wir Deutsche jüdischen Glaubens in einem aufgeklärten, geordneten Kulturreich, in unserem Vaterland, das anderen Völkern Freiheit und Selbstbeftimmungsrecht bringt! I. Sch. Mehr Aufklärung! Von einem im Felde stehenden jungen Leser. Kein Zweifel, seit dem Weltkriege, der die Ostjudenfrage aufgerollt hat, ist die Zahl der Wißbegierigen ständig im.Wachsen, die ernsthaft in die Welt des Judentums eindringen wollen, <m der sie bisher achtlos vorübergegangen sind. Nicht bloß der deutsche Soldat und Beamte, der im Osten zum ersten Male in seinem Leben das jüdische Volk in großer Masse vor sich sieht, auch die jüdische Jugend, deren Selbstbewußtsein durch den Krieg zweifellos in erfreulichem Maße entwickelt worden ist, betrachtet heute alle jüdischen Fragen mit einer Aufmerksamkeit und einem Eifer, die uns zu den größten Hoffnungen berechtigen. Wenn die „Süddeutschen Monatshefte" ein besonderes Ostjudenheft Herausgaben und der „Jnselverlag" ostjüdische Schriftsteller in billigen deutschen Uebersetzungen erscheinen läßt, so rechnen die Verleger auf einen großen Abnehmerkreis nicht nur unter den Juden, sondern vor allen Dingen unter den Nichtjuden. Ohne Uebertreibung kann man wohl festftellen, daß beispielsweise die Liebhaber der Bialikschen Lyrik unter den deutschen Mchtjuden, denen seine Gedichte jetzt in deutscher. Übersetzung zur Verfügung stehen, in stetem Wachsen begriffen sind. Diesem Bedürfnis unserer Zeit nach Aufklärung und öffentlicher Erörterung jüdischer Dinge ist vor einiger Zeit auch von jüdischer Seite durch Herausgabe zweier jüdischer Zeitschriften Rechnung' getragen worden: „Der Jude" und „Neue jüdische Monatshefte". Die innerhalb des Centrälvereins vor dem Kriege gepflogenen Verhandlungen über den weiteren Ausbau der Zeitschrift „Im deutschen Reich" zeigen, daß man auch hier bestrebt ist, vor der breiten Oesientlichkeit in zeitgemäßer Form unsere Ziele und Bestrebungen zu -erörtern. Es erscheint indes fraglich, ob das Ziel, Außenstehende und Laien mit der jüdischen Welt vertraut zu machen, durch noch so gute Monats- oder Halbmonatsschriften allein erreichbar ist. Derartige Zeitschriften werden den größten Raum der Behandlung politischer Gegenwartsfragen widmen müssen, unter denen die Ostjudenfrage und der Kampf gegen den Antisemitismus an erster Stelle stehen, der nach Aufhebung der Zensur mit ganz besonderer Schärfe zu erwarten sein dürfte. Die Aufklärung, nach der heute

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