Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau 107- Geldes und des jüdischen Geistes bemerkbar gemacht, daß ich glauben möchte, wir stehen vor einem Wiederaufleben eines idealeren und um so stärkeren Antisemitismus." Die Ähnlichkeit der Einleitungsworte ist nicht Zu verkennen. Wie sieht nun aber der idealere Antisemitismus aus, den Herr von Wangenheim meinte, wünschte und noch jetzt wünscht? Er pries in jener Versammlung als „veredelten Antisemitismus" den des Herrn — Theodor Fritsch an, des Herausgebers des „Hammer" und mehrfacher ungewöhnlich unedler Flugschriften. Unseren Lesern gegenüber ist ein Nachweis nicht notwendig, daß der „veredelte" Antisemitismus eines Fritsch, vom Bündlerführer seinen Bundesgenossen angelegentlich empfohlen, auf derselben Stufe wie der Radauantisemitismus steht und genau so ideal ist, wie die materiellen Forderungen der agrarischen Bündler. Damals, 1912, war es der Ausfall der Reichstagswahlen, der Konservativen und Agrariern den gewohnten Einfluß raubte, so daß die wüstesten Schimpfereien über den — „Judenreichstag" und die Juden ausgegossen wurden. Diesmal sind es die demokratischen Wege der Reichsregierung, die „Neuorientalisirung", wie Herr v. Graefe die Neuorientierung stigmatisierte, die die Herrschaften zur antisemitischen Waffe greifen läßt; aber immer ist Herr von Wangenheim kein Antisemit im landläufigen Sinne des Wortes, immer macht er eine Verbeugung vor den tüchtigen und fähigen Juden, nur um Zu verdecken, daß er sich mit Vergnügen in den unsauberen Wagen der landläufigen Antisemiten setzt. Wozu die plumpe Verneigung vor den zahllosen Juden, welche treu arbeiten und tatkräftige Deutsche sind, wenn der Bund der Landwirte nach seinen Satzungen auch dem tüchtigsten, deutschfühlendsten und arbeitsamsten jüdischen Landwirt den Eintritt verwehrt? Herr von Wangenheim ist konsequenter Antisemit. In der Bundesversammlung am 17. Februar 1913 im Zirkus Busch hat er im Anschluß an die Hundertjahr-Erinnerung der Befreiungskämpfe von 1813 seinen veredelten Antisemitismus darin gezeigt, daß er sagte: Es sei leichter, einen Kampf gegen einen Feind zu führen, der uns, wie die Franzosen, mit Schwert und Flinte gegenüberstehe, als gegen einen Feind, der im Stillen am Mark des Volkes sauge. Er fuhr fort: „Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir auch heute ein fremdes, nichtdeutsches Element in unserem Volke haben (stürmische Zustimmung und Händeklatschen), welches bestrebt ist, auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und politischen Lebens, des gesamten Volkslebens, zersetzend und verseuchend auf das deutsche Volk zu wirken. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Auf allen Gebieten spielt das Judentum eine verhängnisvolle Rolle (stürmischer, langanhaltender Beifall). Mag das deutsche Volk sich auf sich selbst und auf die Wurzeln seiner Kraft besinnen, ehe es zu spät ist!"