Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- Die deutsche Vaterlandspartei und der Antisemitismus
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 106 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316876-2316879-2353700--28362-2353819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
106 Im deutschen Reich Parteipolitik fern, er erblickt feine Aufgabe in der tatkräftigen Wahrung der gesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung der Süden, in der Abwehr beleidigender Angriffe, in der Stärkung des bischen Ehrgefühls^ Wenn Mitglieder des Centralvereins, die politisch auf dem Boden der Deutschen Vaterlandspartei stehen, ihr beitreten wollen, so kann nach dem Schreiben des Herrn von Tirpitz dem nichts im Wege stehen; Voraussetzung aber ist, daß die Zentralleitung der Deutschen Vaterlandspartei den Willen und die Macht hat, ihren Standpunkt durchzusetzen und judenfeindliche Elemente wenigstens innerhalb der Organisation der Vaterlandspartei am Zügel zu halten, anderfalls müßte die Stellung der jüdischen Mitglieder zur Vaterlandspartei einer entschiedenen Revision unterzogen werden. Amschau. Es ist ein seltsames Zusammentreffen, daß der arische Bund der Landwirte fast gleichzeitig mit dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sein 25 jähriges Bestehen feiern konnte. Auf der Jubiläumsversammlung des Bundes der Landwirte am 18. Februar 1918 erklärte der Nachfolger des alten Ploetz, der Vorsitzende Freiherr von Wangenheim: „Ich bin kein Antisemit im landläufigen Sinne des Wortes, ich kenne zahllose Juden, welche treu arbeiten und tatkräftige Deutsche sind; aber es muß jeden von uns mit Bedenken erfüllen, wenn man überall da, wo man gegen die Grundlagen des Staates arbeitet, Juden in der Führung sieht, in der Presse und im internationalen Treiben. (Sehr richtig!) Und ich meine: Gerade unsere Mitbürger jüdischen Glaubens hätten an allererster Stelle die Aufgabe, sich diese Elemente von den Rockschößen abzuschütteln; sie würden sich damit sicherlich ein großes Verdienst um sich und uns erwerben." In der Festversammlung des Centralvereins am 2. März in der Berliner Philharmonie hat unser Vorsitzender, Eeheimrat Eugen Fuchs, Herrn von Wangenheim würdig geantwortet. Er erwiderte u. a., daß wir für radikale Juden, die in der Unabhängigen Sozialdemokratie ihrWesen treiben, ebensowenig verantwortlich sind wie Freiherr von Wangenheim für die radikalen Christen Ledebour, Liebknecht und Dittmann. —Wer die einzelnen Bündlerparaden, wie man die alljährlich im Februar stattfindenden Bundesversammlungen zu nennen Pflegt, noch in Erinnerung hat, dem kamen die Ausführungen des Herrn von Wangenheim zum Teil bekannt vor. In der Tat hat er auf der Bündlerversammlung des Jahres 1912, die am 19. Februar im riesenhaften Sportpalast veranstaltet worden war, erklärt: „Ich biu nicht im landläusigen Sinne des Wortes ein Antisemit. Ich erkenne gern und dankbar an, daß auch das Judentum uns tüchtige und fähige Leute geliefert hat. Aber in dem letzten Wahlkampfe hat sich ein Vordringen des jüdischen Einflusses in der Presse, des jüdischen