Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- Die deutsche Vaterlandspartei und der Antisemitismus
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 105 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Deutsche VaterlandsparLei und der Antisemitismus 105 Aeußerungen führender Persönlichkeiten in der Partei zu rektifizieren und für entsprechende Anweisungen zu sorgen, um derartige Aeußerungen und Ausschreitungen, die ein weiteres Verbleiben der zahlreichen Juden in der Vaterlandspartei unmöglich machen, für die Zukunst zu verhindern". Darauf haben wir von Großadmiral von Tirpitz folgende Antwort erhalten: Deutsche VaterlandsparLei. Berlin W. 10, den 2. Februar 1918. Viktoriastr. 30. An den Centralverein deutscher Staatsbürger .jüdischen Glaubens und Redaktion der Zeitschrift „Im deutschen Reich", Zu Händen des Herrn B o e h m , Berlin SW. 68, Lindenstraße 131. Sehr geehrter Herr! Ihren Brief vom 29. Januar habe ich erhalten und erlaube mir, ihn hiermit zu bestätigen. Der Stellungnahme der VaterlandsparLei zu den verschiedenen Konfessionen haben alle führenden Herren in derselben bestimmten Ausdruck gegeben. Wenn trotzdem einige Mitglieder der VaterlandsparLei antisemitischer Auffassung Ausdruck geben, so können sie das nur als Privatpersonen Lun. So fasse ich auch den Artikel des sonst so hervorragenden Schriftstellers Houston Stewart Chamberlain auf, möchte namentlich meinen, daß er in dem von Ihnen zitierten Satz durchaus nicht auf unsere Mitbürger jüdischer Konfession im allgemeinen hat Hinweisen wollen. Denn die Tatsache ist leider vorhanden, daß wir Organisationen in Deutschland genug haben, die wenig Verständnis für das Wesen des Deutschtums gezeigt haben. Daß der Name „VaterlandsparLei" gelegentlich von antisemitisch gesinnten Herren mißbraucht wird, kann ich nur lebhaft bedauern, aber wohl schwer verhindern. Dahingegen werde ich an die Landesvereine noch einmal herantreten und die grundsätzliche Stellung der VaterlandsparLei in dieser Richtung betonen. Was die Vorgänge bei der Versammlung des Landesvereins Groß- Berlin anbetrifft, so sind diese wohl gutgemacht durch meine klare Erklärung in der Philharmonie am 20. Januar. Soviel ich übrigens habe feststellen können, ist der von Ihnen beanstandete Ausdruck auch nur an den unerträglichen Störer jener Versammlung gerichtet gewesen. Ich würde dankbar sein, wenn Sie mir alle Vorfälle dieser Art mitteilen wollten. Denn unseren Satzungen widerspricht es ganz direkt, wenn im Dienste der Vaterlandspartei antisemitische Bestrebungen sich geltend machen. Mir ist davon sonst, namentlich nach meiner Rede in der Philharmonie, nichts bekanntgeworden. Der Vorstand würde derartigen Ausschreitungen stets entgegentreten, wenn sie im Dienste der VaterlandsparLei geschehen sollten. Mit dem Ausdruck größter Wertschätzung gez.: v. Tirpitz, ' Großadmiral. Die Hauptleitung der VaterlandsparLei verurteilt also den Antisemitismus, der den Satzungen der Deutschen Baterlandspartei „ganz direkt" widerspreche. Der Centralverein hält sich von jeder