Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- None (sequence 11)
- Language
- German
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11 'Pflicht, fast Tag für Tag <m Sterbelagern und- Gräbern von jungen Menschen, zu stehen, darunter so manchem, den wir nod) beim letzten Gottesdienst gesund und gläubig hoffender Seele begrüßen konnten. And doch, diese schwersten Stunden sind meistens für uns die erhebendsten. Seit mehr als drei Jahren am offenen Grabe fast immer das gleiche Erlebnis; Vorgesetzte und Kameraden können nicht Worte des Lobes genug finden, um ihre Heimgegangenen jüdischen Kameraden zu rühmen. Wer glauben Sie nicht, daß das jenes billige Lob ist, wie. man es so oft im Angesicht des Todes zu hören bekommt! Die Art, wie sie von ihren toten Kameraden sprechen, die Träne, die sich unwillkürlich dabei ins Auge drängt, sie ist beredter als alle Worte. Hervorragende Tapferkeit, unbedingte Zuverlässigkeit und treuste Kameradschaft, das sind die Tugenden, die uns Feldrabbinern immer wieder, nun schon in tausendfacher Wiederholung von unfern toten jüdischen Kameraden geschildert werden. Verstehen Sie. meine Damen und Herren, wenn ich sage, daß diese traurigsten Augenblicke da draußen für uns gleichzeitig die erhebendsten sind, daß uns ein freudiger Stolz durchdriugt angesichts dessen, wie unsere jüdischen Männer, und unsere jüdischen Jünglinge zu leben, und wie sie zu sterben wissen? Ich bin überzeugt, unserem toten Führer, Maximilian Horwitz keine schönere und sinnigere Ehre erweisen zu können in dieser Stunde, als wenn ich auf diese heilige Saat verweise, der fehl Wirken für Deutschtum und Judentum im besonderen Maße mit zur Blüte verholfen hat. Zu dieser heiligen Saat gehört ja auch derjenige, der vor rund drei Monaten in den schweren Kämpfen am Chemin des dames gefallen ist, sein einziger Sohn. Nur mit tiefer Bewegung kann ich jener Stunde gedenken, da ich Maximilian Horwitz und seiner 'Gattin draußen im Felde am Totenbette ihres Kindes begegnete, da sie gekommen waren, um ihren Sohn heimzuholen. " Schon damals empfand ich, daß jene Stunde diesem Manne eine Wunde schlug, die nie wieder vernarben würde. — And doch, vielleicht waren diese schwersten Tage seines Lebens gleichzeitig seine stolzesten. Die ganz besondere Art der Ehrungen, die von Vorgesetzten und Kameraden seinem toten Heldensohne zuteil wurden, boten dem Vater eine Art trauriger Genugtuung. Sie zeigten ihm, daß fein Sohn das Gelöbnis gehalten hatte, mit dem er als Sohn von Maximilian Horwitz vor drei Jahren ins Feld gerückt war, dem Glauben der Väter unb her deutschen Heimat die Treue zu zeigen und sei es durch das Opfer des eigenen Lebens. Auch das Leben des Vaters ist ja ein großes Sinnbild der Treue gewesen. Das habe ich vielleicht nie so empfunden, wie in jenen Tagen, da ich die Todesnachricht empfing und den Kameraden in meiner Ansprache das Bild des Heimgegangenen Führers zu zeichnen versuchte. Als ich den Aamen Maximilian Horwitz aussprach, da ging durch die Reihen der Kameraden, die doch sonst wahrlich gegen das Wort Tod abgestumpft sind, sichtlich riefe Bewegung. Es schien, als ob jeder von ihnen fühlte, was wir verloren. Das Wort Maximilian Horwitz bedeutet für Tausende jüdischer Kameraden da draußen ein Programm: den stählernen Willen, zu zeigen, wie ein deutscher Jude seine Pflicht auffaßr, wie ein deutscher Jude vorbildlich sein will in seiner Gesinnung und in seinem Tun, bedeutet aber auch, den Willen, als Luden gerade das Haupt stolz zu tragen und jede Kränkung, jede Zurücksetzung um des Glaubens willen mit Würde und Aachdruck zurückzuweisen.