Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- Die Juden und der moderne Kapitalismus
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 66 (sequence 1)
- Language
- German
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66 5« DeMHen AeiG Die Juden und der Moderne Kapitalismus. Bon Rabbiner Dr. Max E s H e l b. a ch e ü - Düsseworf, (Schluß.) III. Brentano läßt es aber nicht beL -er Kritik bewenden, sondern weist auch positiv die Umstände nach, die den Juden ihre Bedeutung für die Entwicklung des Kapitalismus gegeben haben. Dabei schlägt er im Gegensatz zu Weber den Einfluß, der Religion nicht hoch an, er betrachtet ihn beinahe als eine Täuschung. Dagegen deutet er auf die wirklichen Ursachen mit der Feststellung-. „Es ist eine allgemeine Erscheinung, daß Angehörige eines Glaubensbekenntnisses, welches immer dies sein mag, in der Diaspora ihre Fähigkeiten außerordentlich betätigen und zu großem Wohlstand gelangen. Das gilt wie für Hugenotten, so auch für Katholiken in der Diaspora." Die Juden aber leben seit Jahrtausenden in der Diaspora. Wicht in ihrer Nasse, nicht in ihrer Religion, sondern in ihrer Zerstreuung und Fremdheit sei somit ihre Stellung und Nolle im wirtschaftlichen Leben begründet. Ihre große Wirksamkeit in der Geschichte und Entwicklung de? europäischen Wirtschasts- und Gesellschaftsordnung, ihre hohe Bedeutung für die Auflösung alter Bande und Bindungen erscheint bei Brentano nur als ein Sonderfall eines überall herrschenden geschichtlichen Gesetzes. „Jede Wirtschaftseinheit auf jeder Entwicklungsstufe wird naH außen von schrankenlosem Egoismus beherrscht, nach innen aber nicht von der rücksichtslosen Geltendmachung des eigenen Vorteils, sondern von Autorität und Herkommen. Sobald aber die, die früher Unter einer Wirtschaftseinheit miteinander verbunden waren, Zu selbständigen Wirtschaftseinheiten werden, wird auch für ihre Beziehungen zueinander maßgebend das Streben nach dem größtmöglichen Vorteil. Diese Wandlung aber tritt ein, sobald eine Wirtschaft in Verbindung tritt mit Fremden, und Las Geschieht durch Leu Handel." Wenige, abstrakte Sätze! Aber in ihnen liegt eine Geschichte der Wirtschaft und ihre? Revolutionen emgeschlossen. In der Urzeit gilt der Fremde überall als der Feind. Und in gesitteteren Zeiten gilt es wenigstens als gestattet, im! Verkehr mit ihm den eigenen Vorteil in einem Maße wahr- Zunehmen, das „unter Brüdern" verboten ist. Da ist erlaubt, was dem Volksgenossen gegenüber sündhaft, schmutzig, verbrecherisch wäre. Gebote des Anstands, der Zurückhaltung und der Rücksicht gelten hier nicht. Aber die neue Moral, die sich dem Fremden gegenüber zum ersten Male zeigt, bleibt nicht auf ihn beschränkt, sondern dringt durch besondere geschicht-