Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- Das "Rote Kreuz" und die Juden
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 57 (sequence 1)
- Language
- German
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Das 3£oie Kreuz und die £iu7£iu' 57 Das „Rote Kreuz" und die Juden. Won Prof. Dr. Ferdinand Gutheim - Freiburg i. Br. Wenn ich mich hier ein wenig über das Verhältnis der Anden zum und im Boten Kreuz verbreiten will, so geschieht dies in erster Linie deshalb, weil über dieses Verhältnis im allgemernen recht unklare Vorstellungen herrschen. Dann will ich aber arisch gleich das Gebiet selbst enger umgrenzen. Das „Bote Kreuz" ist über seinen ursprünglichenPflichtenkreE allmählich weit hinausgewachsen. Waren es anfangs nur die eigentliche Krankenpflege und die Liebesgaben, jaus die es sich beschränkte, so hat es jetzt seinen Wirkungskreis auf viele andere Unternehmungen ausgedehnt. Ich nenne nur die liebernachtstationen, die Verpflegung durchreisender Soldaten an den Bahnhöfen, die Gefangenenfürsarge, die Unterhaltung der in den Grenzorten (wie Freibnrg) mit beurlaubten Soldaten znsammenkommenden Familien, die «in der Schweiz oder im Elsaß wohnen, die Gründung und Aufrechterhaltung von Kriegerheimen und vieles anders mehr. Ich selbst will hier nur von dem Gebiet sprechen, das mir, weil ich darin tätig bin, am nächsten liegt, von der „freiwilligen Krankenpflege". Wan hört öfters von einem Antisemitismus in der „freiwilligen Krankenpflege" sprechen. Ich muß die Berechtigung einer solchen Aussage von vornherein zurückweiseu. Zugeben allerdings muß ich, daß ein antisemitischer Zug lange Zeit in der „Krankenpflege" herrschte oder doch zu herrschen schien. Aber auch das ist nur bedingungsweise richtig. Am dies zu verstehen, muß ich hier ein wenig theoretisch werden und von der Entstehung und Entwicklung dieses Zweiges des Roten Kreuzes reden. Ich darf als bekannt voraussetzen, daß der Schweizer« Henri Dunant aus Genf, der Augenzeuge der Schrecken des Krimkrieges (1833—56) sowie des italienisch-österreichischen Ringens von 1859 war, durch seine 1862 erschienene Schrift „Un souvenir de Solferino" die Gründung der „Gemeinnützigen Gesellschaft in Genf" veranlaßte, deren Propaganda es gelang, daß im August 1864 die „Genfer Konvention zur; Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten de« Armeen im Felde"' zustande kam. Zwölf Staaten schlossen sich ihr an. Ans dem „Deutschen Bund" Preußen, Baden, Hessen und Württemberg. Bald aber vereinigte sich die ganze zivilisierte Welt unter dem Banner des „Roten Kreuzes",« indem man die eidgenössischen Landesfarben, ein weißes Kreuz' 5m roten Felde, einfach umkehrte. Nur die Türkei nahm den „Roten Halbmond" und Persien den „Roten Löwen" an. In Deutschland entstanden schon 1864 innahezu allen Wagten „Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und er-