Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- Alldeutsch oder international
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 499 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Altdeutsch ober inirrnaitonaT. 499 Alldeutsch oder international. Fast genau zu gleicher Zeit sind zwei beachtenswerte Kundgebungen erschienen, deren .'paradoxe Gegensätzlichleit fast humoristisch.anmuten würde, Iwenn nicht hinter ihr ein tiefer Ernst steckte. Das NeickMagsmitglied Eduard Bernstein, der sich offiziell als konfessionslos bekennt, der aber in einer zionistischen Zeitung trotzdem sich jüngst einen Juden nannte,' Hat eine Broschüre geschrieben, die sich „Von den Aufgaben den Juden im Weltkriege" betitelt; und in ihr macht er dern Judentum den Vorwurf, daß es von einem alldeutsch chauvinistischen Geiste erfüllt sei und seiner internationalen Aufgabe, den Völkern dew Welt ein Mittler zu sein, nicht gerecht werde. Etwa zn gleicher Zeit erschien im Heft 4 der neuen alldeutschen Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" ein Artikel von Di*. 23. Friedrich, der ernster genommen werden darf, als vieles von dem sonstigen alldeutschen schematisch judenseindlichen Geschreibsel. Dieser Artikel, der auch Anlas; geben darf, die Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" überhaupt ein wenig kritisch zu betrachten, macht nun dem Judentum genau den umgekehrten Vorwurf. Das Judentum sei international und habe für wirkliche deutsche Interessen weder Verständnis noch Interesse. Abgesehen davon, das; Bernstein seinen Standpunkt mög-' licherweise inzwischen schon wieder geändert hat, ijt es un-. möglich, bei der Oberflächlichkeit der oft bizarren Gedanken-' aänge ernsthaft nnzulni'rpfcn. Er geht einfach von der augenblicklichen Phase der Sozialdemokratie aus, der er seine Mitarbeiterschaft widmet und macht dem gesamten Judentum den Vorwurf, daß es nicht so denkt, wie er zur Zeit. Da Internationalismus und Völkerverbindung ihm gegenwärtig als die erstrebenswertesten Ziele der Politik erscheinen, muß das Judentum durchaus ebenfalls diesen Zielen zustreben. Genau mit derselben Logik und denselben Argumenten hätte er vom Katholizisinus ein gleiches fordern können, und bei der Art seiner Argumentierung würde es ihm auch keine Mühe machen, die Forderung zu begründen, daß das Judentum Deutschlands chauvinistisch national denken müsse, falls eben Bernsteins Ansichten nach dieser Richtung gingen. Der Aufsatz von Friedrich, der ernster zu nehmen ist, beschäftigt sich mit einem Artikel des jüdischen lNeichstagsabgeordneten Kaas über gewisse Menschen und Erscheinungen der modernen Politik. Die ungerechtfertigte Kritik dieses Artikels können wir hier übergehen. Interessant wird Friedrich aber, wenn er zum Schluß folgende allgemeine Gedanken ausspricht: „Es ist zu beklagen, daß von jüdischer Seite heute beständig trnd ganz grundlos gegen die Alldeutschen gekämpft wird. Man